🔬 Alterungsforschung — die sechs biologischen Prozesse des Alterns, entlang der publizierten Literatur.

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Entzündung

Die stille Entzündung

Eine Entzündung, die man nicht spürt — und die trotzdem zählt

Entzündung kennt jeder als Rötung, Schwellung und Schmerz. Es gibt eine zweite Art, die man nicht bemerkt und die über Jahrzehnte wirkt.

Was gemeint ist

Im Jahr 2000 beschrieb der italienische Forscher Claudio Franceschi ein Muster, das die Alternsforschung seither begleitet: Mit den Jahren steigt im Körper eine Entzündungsaktivität an, die schwach bleibt, nicht wieder abklingt und zu keiner Infektion gehört. Er nannte sie Inflammaging, ein Kunstwort aus Entzündung und Altern.

Bemerkbar macht sie sich nicht. Sichtbar wird sie nur im Labor, an bestimmten Werten im Blut.

Dass sie etwas bedeutet, ist gut belegt

Bei Hundertjährigen sagt ein erhöhter Entzündungswert die Sterblichkeit voraus. Das C-reaktive Protein, kurz CRP, gilt als anerkannter Vorbote für Herz-Kreislauf-Ereignisse. Eine über 25 Jahre laufende Nachbeobachtung auf Hawaii fand einen Zusammenhang mit späterer Demenz, andere Arbeiten einen mit dem Verlust von Muskelmasse und Kraft.

Der Schritt von der Begleiterscheinung zur Ursache

All das zeigt zunächst nur, dass beides gemeinsam auftritt. Den entscheidenden Schritt machte 2017 eine große Studie mit dem Namen CANTOS: Eine Behandlung, die gezielt gegen die Entzündung gerichtet war, senkte Herz-Kreislauf-Ereignisse — ohne die Blutfette zu verändern. Damit war gezeigt, dass sich dieser Weg unabhängig beeinflussen lässt.

Was an Pflanzenstoffen untersucht wird

Am breitesten untersucht ist Curcumin, der gelbe Farbstoff der Kurkumawurzel. Zusammenfassende Auswertungen mehrerer kontrollierter Studien beschreiben niedrigere Entzündungswerte.

Die Einordnung ist allerdings nicht einfach, denn Curcumin hat ein bekanntes Problem: Es wird schlecht aufgenommen und rasch wieder abgebaut. Untersuchungen zur Kombination mit Piperin, dem scharfen Bestandteil des schwarzen Pfeffers, beschreiben deutlich höhere Werte im Blut.

Boswelliasäuren aus dem Harz des indischen Weihrauchs setzen an anderer Stelle an als Curcumin. Untersuchungen mit Scheinbehandlung als Vergleich gibt es vor allem bei Kniegelenksarthrose.

Eine Verbindung zum letzten Thema

Ein erheblicher Teil der Entzündungsstoffe, die im Alter im Blut kreisen, stammt aus Zellen, die ihre Arbeit eingestellt haben. Davon handelt das letzte Thema dieser Reihe.

Quellen

  1. Franceschi 2000 — Ann N Y Acad Sci — Erstbeschreibung des Konzepts PMID 10911963
  2. Franceschi & Campisi 2014 — J Gerontol A PMID 24833586
  3. Ferrucci & Fabbri 2018 — Nat Rev Cardiol PMID 30065258
  4. Bruunsgaard 2003 — TNF-α und Sterblichkeit bei Hundertjährigen PMID 12967692
  5. Ridker 2000 — NEJM — CRP als Prädiktor PMID 10733371
  6. Ridker 2017 — NEJM — CANTOS PMID 28845751
  7. Sahebkar 2014 — Metaanalyse, Curcuminoide und CRP PMID 23922235
  8. Hewlings & Kalman 2017 — Foods — Übersicht PMID 29065496
  9. Anand 2007 — Mol Pharm — Bioverfügbarkeit von Curcumin PMID 17999464
  10. Shoba 1998 — Planta Med — Piperin und Pharmakokinetik PMID 9619120
  11. Ammon 2006 — Planta Med — Boswelliasäuren PMID 17024588
  12. Sengupta 2008 — Arthritis Res Ther — randomisiert, placebokontrolliert
  13. Schaap 2006 — Entzündungsmarker und Muskelmasse PMID 16750969
  14. Schmidt 2002 — Honolulu-Asia Aging Study, 25 Jahre PMID 12210786
  15. Coppé 2010 — Annu Rev Pathol — SASP PMID 20078217

Hinweis. Diese Seiten geben den Stand der publizierten Forschung wieder. Sie beschreiben biologische Vorgänge und Untersuchungen an Substanzen, treffen keine Aussage über Erzeugnisse und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.