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Training personalisieren mit Gendaten: vom Bericht zur passenden Dosis

Fachlich geprüft von Dr. Daniel Wallerstorfer, Molekularbiologe und Gründer von Novogenia · Stand: 15. Oktober 2026 · Lesezeit: 8 Min.

Kurz gesagt

Menschen reagieren unterschiedlich auf Training – aber in einer Studie sprach am Ende jeder an, sobald die Trainingsdosis passte. Genau hier helfen Gendaten: Sie zeigen Tendenzen zu Kraft oder Ausdauer und zur Regeneration. Daraus leitest du als Trainerin oder Trainer ab, wo du den Schwerpunkt setzt, welche Intensität du wählst, wie viel Erholung du einplanst und wie du die Dosis steigerst. In einer ersten Studie verbesserten sich Sportler stärker, wenn ihr Krafttraining zu ihrem Genprofil passte. Behandle den Bericht als Hypothese und das Training als Test: Die gemessene Reaktion hat immer das letzte Wort.

Jeder spricht an – manche brauchen nur eine andere Dosis

Gibt es Menschen, bei denen Ausdauertraining einfach nicht wirkt? Eine Studie aus Zürich hat genau das geprüft. 78 gesunde Erwachsene trainierten sechs Wochen lang nach demselben Ausdauerprogramm – nur die Zahl der 60-minütigen Einheiten unterschied sich: eine, zwei, drei, vier oder fünf pro Woche. Als „Non-Responder“ galt, wessen maximale Leistung sich nicht über die Messungenauigkeit hinaus verbesserte.

Bei einer Einheit pro Woche traf das auf 69 % zu, bei zwei auf 40 %, bei drei auf 29 %, bei vier und fünf Einheiten auf niemanden. Dann kam der eigentliche Clou: Alle Non-Responder trainierten weitere sechs Wochen, diesmal mit zwei zusätzlichen Einheiten pro Woche. Danach hatte sich jeder Einzelne verbessert (Montero & Lundby, Journal of Physiology, 2017).

Stell dir Training wie einen Lautstärkeregler vor. Bei manchen Menschen reicht eine kleine Drehung, damit die Musik spielt; bei anderen musst du weiter aufdrehen. Hörbar wird sie bei allen. Für dich als Trainerin oder Trainer ist das vielleicht die ermutigendste Botschaft überhaupt: Die Frage ist nicht, ob jemand auf Training anspricht, sondern mit welcher Dosis.

Wo die Gene ins Spiel kommen

Dass Menschen unterschiedlich stark auf dieselbe Trainingsdosis reagieren, ist gut belegt – und ein Teil davon ist genetisch. Das hält ein Konsensuspapier internationaler Fachleute fest, das sich ausdrücklich mit der Frage beschäftigt, wie sich Training künftig noch persönlicher planen lässt (Ross et al., British Journal of Sports Medicine, 2019). Beim Krafttraining ist es nicht anders: Bei 585 Frauen und Männern stieg die Maximalkraft nach zwölf Wochen mit identischem Programm um 0 bis 250 % (Hubal et al., Medicine & Science in Sports & Exercise, 2005). Wie groß der genetische Anteil an der Trainierbarkeit der Ausdauer ist, zeigt die HERITAGE-Studie, ausführlich beschrieben in Genetik im Training.

Lässt sich das schon heute nutzen? Eine erste Studie macht neugierig. Forschende bestimmten bei zwei Gruppen männlicher Sportler – 28 Athleten aus verschiedenen Sportarten und 39 Fußballspielern – 15 Genvarianten, die mit Kraft- oder Ausdauerleistung in Verbindung stehen, und ordneten jedem ein Kraft- oder ein Ausdauerprofil zu. Danach absolvierten alle acht Wochen Krafttraining, entweder mit hoher oder mit niedriger Intensität – passend oder unpassend zum Profil.

Die Gruppen, deren Training zum Profil passte, verbesserten sich deutlich in der Sprungkraft und in einem dreiminütigen Ausdauertest auf dem Rad. Bei den Fußballspielern legte die passende Gruppe in beiden Tests deutlich stärker zu als die unpassende. Und von den Sportlern, die kaum oder gar nicht ansprachen, stammten 82 % aus den unpassenden Gruppen (Jones et al., Biology of Sport, 2016). Daraus lässt sich ableiten: Die Intensität an die genetische Tendenz anzupassen, ist ein logischer erster Schritt. Ob er im Einzelfall passt, zeigt die Messung.

Vier Stellschrauben, an denen Gene mitdrehen

Aus einem Performance-Bericht ergeben sich vor allem vier Stellschrauben. Alles in der dritten Spalte sind logische Schlussfolgerungen, keine bewiesenen Rezepte – deshalb steht daneben, woran du sie überprüfst:

StellschraubeHinweis im BerichtLogische SchlussfolgerungSo überprüfst du es
SchwerpunktTendenz zu Kraft oder zu Ausdaueretwas mehr Anteil für die Stärke, ohne die andere Seite wegzulassenKraft- oder Sprungtest, Ausdauertest
IntensitätKraft- oder Ausdauerprofilbei Kraft-Tendenz häufiger hohe Intensität, bei Ausdauer-Tendenz häufiger niedrigere IntensitätVergleich mit den Werten zu Beginn des Blocks
ErholungHinweis auf langsamere Regenerationmehr Abstand zwischen harten Einheiten, Schlaf ernst nehmenBefinden am Tag danach, Leistung in der nächsten harten Einheit
Dosis und SteigerungVO2max-Potenzial und GesamtprofilGeduld einplanen; bei ausbleibendem Fortschritt zuerst die Dosis erhöhen, statt das Ziel aufzugebenRetest am Ende des Blocks

Die letzte Zeile verbindet beide Studien: Wenn sich nach einem Block wenig tut, ist das kein Urteil über die Gene, sondern ein Hinweis auf die Dosis. Wie die Gene mit der Erholung zusammenhängen, beschreibt Regeneration: Was Gene verraten.

Der Bericht liefert die Hypothese, das Training den Test

Am besten arbeitest du mit Gendaten wie eine gute Wissenschaftlerin: Der Bericht liefert eine begründete Vermutung, das Training prüft sie. So sieht der Kreislauf aus:

  1. Ausgangswert messen: zum Beispiel Kraft-, Sprung- oder Ausdauertest, dazu Trainingshistorie und Zeitbudget.
  2. Hypothese formulieren: „Deine Gene neigen zu Kraft. Wir legen den Schwerpunkt auf schwere, explosive Einheiten und behalten die Ausdauer im Plan.“
  3. Block planen: Die Studien oben arbeiteten mit sechs bis acht Wochen – ein guter Rahmen für einen Trainingsblock.
  4. Mit denselben Tests nachmessen: nur so sind die Werte vergleichbar.
  5. Entscheiden: Bestätigt? Weiter so. Nicht bestätigt? Die gemessene Reaktion gewinnt. Kein Fortschritt? Erst die Dosis anpassen, dann den Schwerpunkt.

Die Faustregel dahinter: Die gemessene Reaktion schlägt die Veranlagung. Einen ausführlichen Sechs-Schritte-Ablauf vom Bericht zum Plan findest du in Genetik im Training.

Was du festhalten solltest

Eine Hypothese lässt sich nur prüfen, wenn du weißt, was passiert ist. Ein schlichtes Trainingsprotokoll reicht dafür völlig – Hauptsache, es wird geführt. Diese Punkte gehören hinein:

So wird aus einem Bauchgefühl eine Beobachtung, über die ihr gemeinsam sprechen könnt. Und beim nächsten Ziel habt ihr eine Vorlage, auf der ihr aufbaut.

Ziel und Tendenz zusammenbringen

Spannend wird es, wenn Ziel und genetische Tendenz nicht in dieselbe Richtung zeigen. Das ist kein Problem – es verändert nur den Weg:

ZielTendenz im BerichtMöglicher Ansatz
MuskelaufbauAusdauerKrafttraining bleibt der Kern; mehr Geduld einplanen und mit verschiedenen Wiederholungsbereichen arbeiten; Fortschritt am eigenen Verlauf messen
MuskelaufbauKraftschwere und explosive Einheiten als Stärke nutzen; Erholung zwischen harten Einheiten bewusst planen
Erster HalbmarathonKraftUmfang geduldig aufbauen; kurze, schnelle Einheiten als Stärke einbauen; Krafttraining beibehalten
Erster HalbmarathonAusdauerlängere Einheiten fallen oft leichter; Krafttraining trotzdem nicht vernachlässigen
Allgemeine FitnessHinweis auf langsamere Regenerationweniger harte, dafür mehr lockere Einheiten; auf Schlaf und das Befinden am Tag danach achten

Eine Botschaft gilt für jedes Profil: Gene entscheiden nicht, ob Training wirkt, sondern höchstens, wie schnell. Krafttraining gehört in jeden Plan – warum gerade ab der Lebensmitte, zeigt Longevity in der Physiotherapie.

Was Gendaten im Training nicht leisten

Im Gespräch: Tendenz, Einordnung, nächster Schritt

Wie du Ergebnisse besprichst, entscheidet darüber, ob sie motivieren oder Schubladen bauen. Bewährt hat sich ein einfaches Muster: erst die Tendenz, dann die Einordnung, dann ein konkreter nächster Schritt – etwa „Deine Gene neigen zu Ausdauer. Kraft kannst du trotzdem aufbauen. Wir testen in acht Wochen, wie du auf den neuen Plan ansprichst.“ Ein fester Rhythmus hilft dabei, zum Beispiel ein Check-in mit Retest alle drei Monate – passend zur 90-Tage-Lieferung der personalisierten Nahrungsergänzung (mehr in Genanalysen im Fitnessstudio anbieten). Formulierungshilfen findest du in Den Genbericht verständlich erklären; was du als Trainerin oder Trainer sagen darfst und was nicht, zeigt Für Personal Trainer und Coaches.

Häufige Fragen

Ersetzt die Genanalyse einen Leistungstest?
Nein, sie ergänzt ihn. Der Leistungstest zeigt, wo jemand heute steht und wie er sich entwickelt. Die Genanalyse zeigt Tendenzen, die sich im Leben nicht ändern. Zusammen ergeben beide den besten Ausgangspunkt für einen persönlichen Plan.
Wie lange sollte ein Trainingsblock dauern, bevor ich neu teste?
Die Studien in diesem Beitrag arbeiteten mit Blöcken von sechs bis acht Wochen. Daraus lässt sich ableiten: Plane den Retest am Ende eines solchen Blocks und miss mit denselben Tests wie zu Beginn.
Was mache ich, wenn Bericht und Training nicht zusammenpassen?
Dann gilt die gemessene Reaktion. Der Bericht liefert eine Hypothese, kein Urteil. Wenn sich jemand mit einem Kraft-Schwerpunkt trotz Ausdauer-Tendenz gut entwickelt, bleibst du dabei.
Darf ich als Trainer aus Gendaten Trainingspläne ableiten?
Ja, als Lifestyle-Coaching: Schwerpunkte, Intensität, Erholung und Steigerung. Keine Diagnosen, keine Heilversprechen, keine Vorhersage von Verletzungen. In der Schweiz veranlasst eine Gesundheitsfachperson nach Art. 40 GUMV die Analyse; im Training arbeitest du mit den Ergebnissen, die deine Kundin oder dein Kunde mit dir teilt.
Brauchen Menschen mit Ausdauer-Tendenz kein Krafttraining?
Doch. Gene entscheiden nicht, ob Training wirkt, sondern höchstens, wie schnell. Wer zu Ausdauer neigt, baut trotzdem Kraft auf – Krafttraining gehört in jeden Plan.

Passend dazu: Genetik im Training: Leistung und Regeneration · Den Genbericht verständlich erklären · Für Personal Trainer und Coaches

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