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Österreich und Schweiz: andere Regeln für Genanalysen in der Praxis

Fachlich geprüft von Dr. Daniel Wallerstorfer, Molekularbiologe und Gründer von Novogenia · Stand: 15. Oktober 2026 · Lesezeit: 10 Min.

Kurz gesagt

Österreich und die Schweiz ziehen die Grenzen anders als Deutschland. In Österreich ist jede ärztliche Tätigkeit – auch die Vorbeugung von Erkrankungen – Ärztinnen und Ärzten vorbehalten, und ein Heilpraktikergesetz gibt es nicht. Diätologen und Physiotherapeuten arbeiten in Gesundheitsförderung und Prävention ohne ärztliche Anordnung. Pharmakogenetik dürfen Partner in Österreich anbieten, über Medikamente entscheidet aber immer die Ärztin oder der Arzt. In der Schweiz veranlassen Lifestyle-Analysen nur die Fachpersonen aus Art. 40 GUMV, die Speichelprobe wird in ihrem Beisein genommen, und Heimtests sind dafür ausgeschlossen.

Ein Fluss, zwei Berufsrechte

Zwischen Salzburg und dem bayerischen Freilassing fließt die Saalach. Wer über die Brücke geht, wechselt nicht nur das Land, sondern auch das Berufsrecht: Auf der deutschen Seite gibt es Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker mit staatlicher Erlaubnis, auf der österreichischen nicht. Unser Labor in Eugendorf liegt nicht weit von dieser Grenze – und für dieselbe Speichelprobe gelten in Deutschland, Österreich und der Schweiz drei verschiedene Regelwerke.

Für dich heißt das: Wer Klientinnen und Klienten in Österreich oder der Schweiz berät, braucht die Regeln dieser Länder. Die deutschen Grundlagen findest du in Was du anbieten darfst und Für Heilpraktiker. Dieser Beitrag zeigt, was in Österreich und der Schweiz anders ist. Er gibt dir Orientierung, ersetzt aber keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Österreich: Medizin ist Ärztesache – auch die Vorbeugung

Das österreichische Ärztegesetz zieht einen weiten Kreis. Zur Ausübung des ärztlichen Berufs gehört jede auf medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen begründete Tätigkeit am oder für den Menschen, insbesondere (§ 2 Abs. 2 ÄrzteG 1998):

Die selbstständige Ausübung ist Ärztinnen und Ärzten vorbehalten; allen anderen ist jede Ausübung des ärztlichen Berufs verboten (§ 3 Abs. 1 und 4 ÄrzteG 1998). Wer ohne Berechtigung nach diesem oder einem anderen Gesetz ärztliche Tätigkeiten ausübt, begeht eine Verwaltungsübertretung mit einer Geldstrafe bis zu 3.630 Euro (§ 199 Abs. 1). Und wer ohne ärztliche Ausbildung eine den Ärzten vorbehaltene Tätigkeit an einer größeren Zahl von Menschen gewerbsmäßig ausübt, macht sich wegen Kurpfuscherei strafbar: Freiheitsstrafe bis zu drei Monaten oder Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen (§ 184 StGB).

Für dich heißt das: „Krankheiten vorbeugen“ ist in Österreich nicht nur ein Werbeproblem, sondern ärztliches Terrain – außer ein eigenes Berufsgesetz erlaubt dir Prävention. Sprich deshalb über Ernährung, Bewegung, Wohlbefinden und Lebensstil, nicht über Krankheiten.

Kein Heilpraktiker in Österreich – welche Wege es gibt

Ein Heilpraktikergesetz wie in Deutschland gibt es im österreichischen Bundesrecht nicht. Eine deutsche Heilpraktikererlaubnis beruht auf dem deutschen Heilpraktikergesetz und erlaubt in Österreich keine ärztlichen Tätigkeiten. Für Lifestyle-Beratung mit Genanalysen kommen vor allem diese Wege in Frage:

Diätologen und Physiotherapeuten: Prävention ohne Anordnung

Das MTD-Gesetz 2024 regelt die gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufe, darunter Diätologie und Physiotherapie (§ 1 Abs. 1). Ihre Tätigkeiten dürfen nur Personen ausüben, die nach diesem Gesetz berechtigt sind (§ 2 Abs. 2), und die Berufsbezeichnungen sind geschützt (§ 3 Abs. 5).

Für Genanalysen ist eine Unterscheidung entscheidend. Grundsätzlich werden Diätologinnen und Physiotherapeuten nach ärztlicher oder zahnärztlicher Anordnung eigenverantwortlich tätig (§ 8 Abs. 1, § 20 Abs. 1). Im Bereich der Gesundheitsförderung und der Primär- und Sekundärprävention arbeiten sie dagegen ohne Anordnung, im Rahmen ihres Berufsbilds (§ 8 Abs. 2, § 20 Abs. 2). Für eine Lifestyle-Analyse mit gesunden Klientinnen und Klienten ist das der naheliegende Rahmen. Geht es um eine Erkrankung, gilt die ärztliche Anordnung. Mehr zu den einzelnen Berufen in Für Ernährungsberater und Diätologen und Für Physiotherapeuten.

Genanalysen in Österreich: Lifestyle ist nicht Typ 3

Das Gentechnikgesetz definiert die genetische Analyse eng: Gemeint ist eine Laboranalyse, die nach dem Stand von Wissenschaft und Technik Aussagen über einen Überträgerstatus, ein Krankheitsrisiko, eine vorliegende Krankheit oder einen Krankheits- oder Therapieverlauf ermöglicht (§ 4 Z 23 GTG). Analysen zu Krankheitsveranlagungen (Typ 3 und 4) dürfen nur in zugelassenen Einrichtungen und auf Veranlassung einer Fachärztin oder eines Facharztes durchgeführt werden (§ 68 Abs. 1 GTG).

Lifestyle-Analysen zu Ernährung, Gewicht, Sport, Stress und Haut, die keine solchen Aussagen ermöglichen, fallen nicht unter diese Definition. Ob eine einzelne Analyse doch etwas über ein Krankheitsrisiko sagt, hängt von ihrem Inhalt ab. Die vier Typen im Detail erklärt Wer darf Gentests anbieten?

Pharmakogenetik: die österreichische Ausnahme – mit klarer Grenze

Hier ist Österreich großzügiger als seine Nachbarn. Pharmakogenetik ist dort die einzige medizinische Analyse, die das Gesetz ohne Ärztin oder Arzt zulässt – Novogenia-Partner können sie in Österreich anbieten. Warum das so ist, erklärt Recht: Wer darf Pharmakogenetik anbieten? Zwei Einschränkungen gehören aber immer dazu:

Was pharmakogenetische Ergebnisse bedeuten und wie Ärzte sie nutzen, zeigt der Ratgeber Pharmakogenetik.

Schweiz: Wer veranlassen darf, steht in Art. 40 GUMV

Die Schweiz regelt auch Genanalysen außerhalb der Medizin. Untersuchungen physiologischer Eigenschaften, deren Kenntnis die Lebensweise beeinflussen kann (Art. 31 Abs. 1 Bst. a GUMG), betreffen laut Verordnung insbesondere Ernährungsverhalten, sportliche Aktivität und allgemeines Wohlbefinden (Art. 37 Abs. 1 GUMV). Veranlassen dürfen sie nur Gesundheitsfachpersonen, die zur Berufsausübung in eigener fachlicher Verantwortung befugt sind, in Aus- und Weiterbildung Kenntnisse der Humangenetik erworben haben und in dem Bereich tätig sind, dem die Untersuchung zugeordnet wird (Art. 34 Abs. 1 und 2 GUMG). Art. 40 GUMV nennt sie abschließend:

Darf veranlassen (Art. 40 GUMV)Umfang
Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker, Psychologinnen und Psychologen, Drogistinnen und Drogisten HFUntersuchungen besonders schützenswerter Eigenschaften
Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater FH, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten FH, Chiropraktorinnen und Chiropraktoren, Osteopathinnen und Osteopathenzur Abklärung von physiologischen Eigenschaften

Für die Berufe des Gesundheitsberufegesetzes, etwa Physiotherapie, Ernährungsberatung und Osteopathie, braucht die Berufsausübung in eigener fachlicher Verantwortung eine Bewilligung des Kantons (Art. 11 GesBG).

Nicht auf der Liste stehen unter anderem Naturheilpraktikerinnen und Naturheilpraktiker, Gesundheitscoaches und Ernährungsberaterinnen ohne FH-Abschluss. Sie arbeiten für Lifestyle-Analysen mit einer gelisteten Fachperson zusammen, die die Analyse veranlasst. Das ist mehr als eine Formalie: Wer gewerbsmäßig und vorsätzlich eine solche Untersuchung veranlasst, ohne dazu berechtigt zu sein, riskiert eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe (Art. 56 Abs. 2 Bst. e GUMG).

Schweiz: Probe im Beisein, kein Heimtest

Für Health Claims auf Nahrungsergänzung gilt in der Schweiz die Lebensmittelinformationsverordnung – mehr in Berufsrecht und Werbung.

Drei Länder auf einen Blick

FrageDeutschlandÖsterreichSchweiz
HeilpraktikerErlaubnis nach dem Heilpraktikergesetzkein Heilpraktikergesetz; ärztliche Tätigkeiten nur für Ärzte (§ 3 ÄrzteG 1998)Naturheilpraktiker stehen nicht in Art. 40 GUMV
ErnährungsberatungTitel „Diätassistent“ geschützt (§ 1 DiätAssG)Diätologie als MTD-Beruf; Ernährungsberatung im Gewerbe nur mit Studium oder Diätassistenz-Ausbildung (§ 119 GewO 1994)Ernährungsberater FH dürfen für physiologische Eigenschaften veranlassen
PhysiotherapieTitel geschützt (§ 1 MPhG)MTD-Beruf; Prävention ohne Anordnung (§ 20 Abs. 2 MTD-Gesetz 2024)Physiotherapeuten FH dürfen veranlassen; Verletzungsrisiko ist medizinisch
Coacheskeine Heilkunde ohne Erlaubnis (§ 5 HeilprG)Gewerbe klären; keine Vorbeugung von Erkrankungendürfen nicht veranlassen
Speichelprobezu Hause oder in der Praxiszu Hause oder in der Praxisnur im Beisein der veranlassenden Person
Pharmakogenetikdiagnostisch, nur ärztlich (§ 3 Nr. 7 Buchst. c, § 7 GenDG)Partner dürfen anbieten; Medikation bleibt ärztlichÄrzte, Zahnärzte, Apotheker, Chiropraktoren (Art. 5–8 GUMV)

Checkliste für Österreich und die Schweiz

Häufige Fragen

Darf ich mit einer deutschen Heilpraktikererlaubnis in Österreich arbeiten?
Nicht als Heilpraktikerin oder Heilpraktiker. Ein Heilpraktikergesetz gibt es im österreichischen Bundesrecht nicht, und die selbstständige Ausübung des ärztlichen Berufs ist Ärztinnen und Ärzten vorbehalten (§ 3 Abs. 1 ÄrzteG 1998). Wer ohne Berechtigung ärztliche Tätigkeiten ausübt, begeht eine Verwaltungsübertretung (§ 199 ÄrzteG 1998) und riskiert bei gewerbsmäßiger Tätigkeit an einer größeren Zahl von Menschen eine Strafe wegen Kurpfuscherei (§ 184 StGB). Prüfe, unter welchem Beruf oder Gewerbe du in Österreich Lifestyle-Beratung anbietest.
Darf ich als Ernährungsberaterin in Österreich Genanalysen anbieten?
Lifestyle-Analysen ohne Aussagen über Krankheitsrisiken fallen nicht unter die Definition der genetischen Analyse im Gentechnikgesetz (§ 4 Z 23 GTG). Entscheidend ist dein Beruf: Diätologinnen und Diätologen sind ein MTD-Beruf; im Gewerbe der Lebens- und Sozialberatung ist Ernährungsberatung nur mit einem Studium der Ernährungswissenschaften an einer inländischen Universität oder einer Ausbildung zur Diätassistentin oder zum Diätassistenten erlaubt (§ 119 Abs. 1 GewO 1994).
Brauche ich als Physiotherapeutin in Österreich eine ärztliche Anordnung für ein Lifestyle-Angebot?
Im Bereich der Gesundheitsförderung und der Primär- und Sekundärprävention werden Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ohne Anordnung im Rahmen ihres Berufsbilds eigenverantwortlich tätig (§ 20 Abs. 2 MTD-Gesetz 2024). Für Diätologinnen und Diätologen gilt dasselbe (§ 8 Abs. 2). Geht es um die Behandlung einer Erkrankung, gilt die ärztliche Anordnung.
Kann ich als Gesundheitscoach in der Schweiz Lifestyle-Analysen anbieten?
Nicht in eigener Regie. Genanalysen zu Ernährung, Sport und Wohlbefinden dürfen nur die Fachpersonen aus Art. 40 GUMV veranlassen, und Coaches gehören nicht dazu. Du kannst mit einer solchen Fachperson zusammenarbeiten, die die Analyse veranlasst. Die Speichelprobe wird dann in ihrem Beisein genommen (Art. 34 Abs. 3 GUMG).
Darf ich in Österreich Pharmakogenetik anbieten und über Medikamente sprechen?
Pharmakogenetik ist in Österreich die einzige medizinische Analyse, die das Gesetz ohne Ärztin oder Arzt zulässt; Novogenia-Partner können sie dort anbieten. Ob dein Beruf das erlaubt, regelt dein Berufsrecht. Über Medikamente entscheidest du nicht: Die Verordnung von Heilmitteln gehört zur ärztlichen Berufsausübung (§ 2 Abs. 2 Z 7 ÄrzteG 1998). Empfiehl kein Absetzen, Wechseln oder Umdosieren, sondern verweise an die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt.

Passend dazu: Wer darf Gentests anbieten? · Recht: Wer darf Pharmakogenetik anbieten? · Was du anbieten darfst: Lifestyle oder Medizin

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