💊 Ratgeber Pharmakogenetik — Praxiswissen für Ärztinnen, Ärzte und Apotheken aus dem Genlabor von Novogenia.

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Ratgeber Pharmakogenetik

Pharmakogenetik anbieten: der Ablauf vom Probenset bis zur ärztlichen Entscheidung

Fachlich geprüft von Dr. Daniel Wallerstorfer, Molekularbiologe und Gründer von Novogenia · Stand: 13. Oktober 2026 · Lesezeit: 8 Min.

Kurz gesagt

Pharmakogenetik anzubieten heißt, einen Staffellauf zu organisieren: Rolle und Land klären, den Anlass klären, aufklären und einwilligen lassen, die Speichelprobe nehmen, im Labor analysieren, den Befund besprechen. Bei Novogenia läuft die Analyse in unserem eigenen Labor in Eugendorf bei Salzburg und dauert 4 Tage. Wer veranlasst, hängt vom Land ab: In Deutschland nur Ärztinnen und Ärzte, in der Schweiz unter Bedingungen auch Apothekerinnen und Apotheker; in Österreich können alle unsere Partner reine pharmakogenetische Analysen anbieten. Über die Medikation entscheidet immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Vom Espresso zum Rezept: Pharmakogenetik ist ein Staffellauf

Etwa 95 % des Koffeins, das du trinkst, baut ein einziges Leberenzym ab – gebildet nach der Bauanleitung des CYP1A2-Gens. Arbeitet es schnell, ist das Koffein rasch abgebaut. Arbeitet es langsam, bleibt es deutlich länger im Körper (Koffein und das CYP1A2-Gen). Genau dieses Prinzip – schnelle und langsame Verstoffwechsler – steckt hinter der Pharmakogenetik. Nur geht es dort nicht um eine Tasse Kaffee, sondern um die Frage, wie ein Medikament wirkt.

Damit aus diesem Wissen eine gute Entscheidung wird, braucht es einen sauberen Ablauf. Stell ihn dir als Staffellauf vor: Jede Station übergibt den Stab an die nächste – von der Beratung über das Probenset und das Labor bis zum Befund. Ins Ziel läuft immer dieselbe Person: die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, denn sie oder er entscheidet über die Medikation. Hier liest du, wie dieser Lauf mit Novogenia funktioniert.

Der Ablauf in 6 Schritten

SchrittWas passiertWer ist dran
1. Rolle und Land klärenWer darf veranlassen, wer klärt auf, wohin geht der Befund?du und dein Team, mit uns
2. Anlass klärenkonkrete Verordnung oder vorausschauender Testveranlassende Fachperson
3. Aufklären und einwilligen lassenZweck, Umgang mit Probe und Daten, Weitergabe, Widerrufveranlassende Fachperson und Patientin oder Patient
4. SpeichelprobeProbennahme mit dem Probenset nach AnleitungPatientin oder Patient, auf Wunsch mit dir
5. AnalyseLaboranalyse in Eugendorf, Dauer 4 TageNovogenia
6. Befund und EntscheidungBefund einordnen, Medikation prüfenbehandelnde Ärztin oder behandelnder Arzt

Schritt 1: Rolle und Land klären – wer läuft welche Strecke?

Bevor das erste Probenset verschickt wird, steht fest, wer in deinem Land veranlassen darf. Die Kurzfassung – ausführlich in Recht: Wer darf Pharmakogenetik anbieten?:

Kläre in diesem Schritt auch die Aufgaben im Team: Wer klärt auf, wer dokumentiert die Einwilligung, an wen geht der Befund? Arbeiten Arztpraxis und Apotheke zusammen, legt gemeinsam fest, wer welche Strecke läuft. Anregungen dazu findest du in Pharmakogenetik in der Arztpraxis und Pharmakogenetik in der Apotheke.

Schritt 2: Den Anlass klären – jetzt testen oder vorausschauend?

Ein Test braucht eine Frage. Steht eine konkrete Verordnung an, bei der die Gene eine Rolle spielen können? Oder soll ein Ergebnis für künftige Verordnungen bereitliegen? Beide Wege haben ihren Platz; ihre Stärken beschreibt Präventiv oder anlassbezogen testen?

Bleib dabei ehrlich: Gene sind ein Faktor unter vielen. Ein pharmakogenetisches Ergebnis ist ein wertvoller Baustein für die Therapieentscheidung – nicht die Entscheidung selbst.

Schritt 3: Aufklären und einwilligen lassen

Vor der Probennahme weiß deine Patientin, was die Analyse zeigt und was nicht, was mit Probe und Daten geschieht, wer den Befund erhält und dass sie jederzeit widerrufen kann. In Deutschland willigt sie ausdrücklich und schriftlich gegenüber der verantwortlichen ärztlichen Person ein (§ 8 GenDG), in der Schweiz frei und ausdrücklich nach hinreichender Aufklärung (Art. 5 GUMG).

Ein Tipp aus der Praxis: Frag schon jetzt, ob der Befund an weitere behandelnde Ärztinnen und Ärzte oder an die Stammapotheke gehen darf, und halte die Antwort fest. Das erspart später Umwege. Alles Weitere steht in Datenschutz und Einwilligung.

Schritt 4: Die Speichelprobe – ein wenig Speichel genügt

Für die Analyse braucht das Labor nur eine Speichelprobe, genommen mit einem Probenset. Für medizinische Analysen verwenden wir Probensets, die als Medizinprodukt gelten; für Lifestyle-Analysen gibt es eigene Sets als Nicht-Medizinprodukt. Auf Wunsch tragen die Sets dein Branding, und Ärztinnen und Ärzte, die mit uns zusammenarbeiten, erhalten die passenden Probensets.

Maßgeblich ist immer die Anleitung im Set: Sie sagt, was vor der Probennahme zu beachten ist und wie die Probe eindeutig der richtigen Person zugeordnet wird. Nimmt deine Patientin die Probe in der Praxis oder Apotheke, geht ihr die Anleitung gemeinsam durch und klärt Fragen sofort.

Schritt 5: Analyse in unserem Labor in Österreich

Die Probe kommt in unser eigenes Labor in Eugendorf bei Salzburg. Novogenia gibt es seit 2009, und wir haben bereits mehr als 30 Millionen Analysen durchgeführt. Die Laboranalyse dauert 4 Tage; plane dazu den Versand und die Zeit für das Befundgespräch ein.

Worauf du dich verlassen kannst:

Welche Gene in der Pharmakogenetik typischerweise eine Rolle spielen und wie Leitlinien sie einordnen, erklären Die wichtigsten Gene: CYP2D6, CYP2C19 und Co. und Leitlinien: CPIC, DPWG und Fachinformationen.

Schritt 6: Befund, Gespräch und ärztliche Entscheidung

Wer den Befund erhält, hast du in Schritt 1 geklärt: In Deutschland geht er an die beauftragende Ärztin oder den beauftragenden Arzt (§ 11 Abs. 2 GenDG). In der Schweiz teilt eine Ärztin, ein Arzt oder eine beauftragte Fachperson das Ergebnis mit (Art. 26 Abs. 1 GUMG); veranlasst eine Apotheke, ist das die Apothekerin oder der Apotheker selbst (Art. 7 Abs. 4 GUMV).

Im Gespräch wird das Ergebnis eingeordnet: Welche Medikamente nimmt die Patientin jetzt, welche könnten später dazukommen? Die Entscheidung über Absetzen, Wechseln oder Dosieren trifft ausschließlich die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Pharmakogenetik kann diese Entscheidung unterstützen – sie ersetzt sie nicht.

Damit der Befund auch bei späteren Verordnungen hilft, gib deiner Patientin eine verständliche Zusammenfassung mit und dokumentiere das Ergebnis sauber. Wie du Befunde verständlich erklärst, zeigt Befunde verstehen und kommunizieren.

So arbeitest du mit uns zusammen: die Partnermodelle

Novogenia verkauft ausschließlich über Partner – in 69 Ländern. Für dein Angebot gibt es drei Wege:

Für Kliniken bieten wir einen durchgängigen Prozess aus einer Hand: Probenset, Versand, Eingangskontrolle, Analyse im EU-Labor und Befundübermittlung. Die Klinik konzentriert sich auf Beratung, Indikationsstellung und persönliche Betreuung. Welches Modell für Pharmakogenetik passt, hängt auch vom Recht in deinem Land ab (Schritt 1) – erzähl uns von deinem Setting, dann finden wir den passenden Weg.

Fachlich vorbereiten: NOVO Academy und Podcast

Die NOVO Academy ist unser kostenloses Schulungsangebot: rund 5 Stunden Video pro Sprache, mit einem Zertifikat für jedes abgeschlossene Thema; die Teilnahme ist freiwillig. Für die Pharmakogenetik gibt es die Lektion „Drug Intolerance“. Darin erklärt Dr. Daniel Wallerstorfer, warum Medikamente bei verschiedenen Menschen unterschiedlich wirken, wie CYP-Enzyme Wirkstoffe abbauen und was „schnelle“ und „langsame“ Verstoffwechsler bedeuten. Die Lektion gibt es derzeit auf Englisch, Tschechisch, Französisch, Portugiesisch, Italienisch und Niederländisch, noch nicht auf Deutsch (NOVO Academy, englische Seite).

Auf Deutsch kannst du in Folge 6 „Pharmakogenetik“ unseres Podcasts „Die Macht unserer Gene“ einsteigen – mit Codein als klassischem Beispiel für eine Vorstufe, die der Körper erst aktivieren muss. Hinweis: Der Podcast wurde mit KI erstellt, auf Basis des Buches von Dr. Daniel Wallerstorfer; die Stimmen sind synthetisch.

Checkliste für deinen Start

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Analyse?
Die Laboranalyse dauert bei Novogenia 4 Tage. Dazu kommen der Versand der Speichelprobe und die Zeit, bis der Befund bei der richtigen Person ist und besprochen wird. Plane den Termin für das Befundgespräch deshalb mit etwas Puffer.
Kann ich Pharmakogenetik unter meiner eigenen Marke anbieten?
Novogenia bietet White Label unter der Marke des Partners an, und die Probensets können dein Branding tragen. Ob und wie du Pharmakogenetik anbieten darfst, hängt vom Land ab: In Deutschland nur über Ärztinnen und Ärzte, in der Schweiz über veranlassungsberechtigte Fachpersonen nach Art. 5 bis 8 GUMV. In Österreich können alle unsere Partner reine pharmakogenetische Analysen anbieten.
Wer entscheidet nach dem Befund über die Medikation?
Immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Ein pharmakogenetischer Befund kann diese Entscheidung unterstützen, ersetzt sie aber nicht. In der Schweiz konsultiert eine Apotheke vor einer pharmakogenetischen Untersuchung zu einem verschreibungspflichtigen Arzneimittel die Fachperson, die es verschrieben hat (Art. 7 Abs. 2 GUMV).
Gibt es eine Schulung zur Pharmakogenetik auf Deutsch?
Die Lektion „Drug Intolerance“ der NOVO Academy gibt es derzeit auf Englisch, Tschechisch, Französisch, Portugiesisch, Italienisch und Niederländisch, noch nicht auf Deutsch. Die Academy ist kostenlos und freiwillig. Auf Deutsch gibt es Folge 6 „Pharmakogenetik“ unseres Podcasts – er wurde mit KI erstellt, auf Basis des Buches von Dr. Daniel Wallerstorfer, die Stimmen sind synthetisch.
Brauche ich ein eigenes Labor?
Nein. Die Laboranalyse übernimmt die Novogenia GmbH in ihrem Labor in Eugendorf. Du brauchst keine eigene Laborinfrastruktur, und im Partner-Shop-Modell fallen keine Einrichtungsgebühren an. Deine Aufgaben sind Beratung, Aufklärung und – je nach Land und Rolle – die Veranlassung und das Befundgespräch.

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