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Ratgeber Lohnherstellung

Nahrungsergänzungsmittel-Rezeptur entwickeln: Dosierung, Höchstmengen, Wechselwirkungen

Fachlich geprüft von Dr. Daniel Wallerstorfer, Molekularbiologe und Gründer von Novogenia · Stand: 11. Oktober 2026 · Lesezeit: 9 Min.

Kurz gesagt

Eine gute Rezeptur beginnt beim Ziel, nicht bei der Zutatenliste. Für jeden Nährstoff legst du mit deinem Hersteller eine Menge fest, die hoch genug ist, um sinnvoll zu sein, und unter den Sicherheitsgrenzen bleibt – EU-weit einheitliche Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel gibt es bis heute nicht. Dazu kommen Wechselwirkungen zwischen Nährstoffen, das Volumen der Tagesportion sowie Muster und Freigabe. Bei Novogenia dauert die Entwicklung eine Woche bis drei Monate.

Vom Ziel zur Rezeptur: zwei Wege

Bevor es um Milligramm geht, steht eine Grundsatzfrage: Bringst du eine fertige Rezeptur mit, oder soll der Hersteller sie aus deinem Ziel ableiten? Beides ist üblich – und beide Wege landen am Ende bei derselben Prüfung von Dosierung, Wechselwirkungen und Machbarkeit.

KriteriumVorschlag nach ZielExakte Rezeptur
Was du mitbringstZielgruppe, Anlass und Positionierung – z. B. „Basisversorgung für Menschen mit veganer Ernährung“Nährstoffe, chemische Formen und Mengen pro Tagesportion
Was der Hersteller tutschlägt Nährstoffe, Formen und Mengen vor und begründet sieprüft Zulässigkeit, Dosierung, Kombinationen und Volumen
VorteilDas Fachwissen des Herstellers fließt von Anfang an ein.Du behältst die volle Kontrolle über dein Konzept.
RisikoDas Ergebnis trifft deine Vorstellung nicht, wenn das Ziel vage bleibt.Die Rezeptur muss angepasst werden, wenn Mengen, Formen oder Volumen nicht passen.
Passt zuMarken ohne eigene ErnährungsexpertisePraxen, Fachleuten und Marken mit klarem Konzept

Formuliere dein Ziel über Zielgruppe und Bedarf, nicht über Heilversprechen. Was du später auf die Packung schreiben darfst, hängt davon ab, welche gesundheitsbezogenen Angaben für die enthaltenen Nährstoffe in der EU zugelassen sind – und diese Angaben setzen in der Regel voraus, dass der Nährstoff mindestens in einer „signifikanten Menge“ enthalten ist. Rezeptur und Marketing solltest du deshalb von Anfang an zusammen denken.

Auch die chemische Form gehört zur Rezeptur. Folat gibt es zum Beispiel als Folsäure oder als Methylfolat. Welche Nährstoffe in welchen Formen in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden dürfen, legt die Richtlinie 2002/46/EG fest. Ein guter Hersteller sagt dir, welche Form er empfiehlt und warum.

Das Dosierungsfenster: Mindest- und Höchstmengen

Für jeden Nährstoff brauchst du eine Menge, die hoch genug ist, um sinnvoll zu sein, und niedrig genug, um sicher zu sein. Dazwischen liegt das Dosierungsfenster. Für viele überraschend: Einheitliche Zahlen dafür gibt das EU-Recht nicht vor.

Jeder Hersteller muss deshalb seine eigene Dosierungsregel festlegen – lass sie dir zeigen. Novogenia hat das Dosierungsfenster offengelegt, das es für personalisierte Rezepturen verwendet:

Einige Nährstoffe weichen bewusst vom Grundschema ab. Ein Auszug aus der veröffentlichten Tabelle (Mengen pro Tag, Prozentangaben bezogen auf die RDA):

NährstoffRDAMinimumMaximumEFSA, Erwachsene
Vitamin C80 mg26,7 mg (33 %)240 mg (300 %)kein UL
Vitamin D35 µg10 µg (200 %)100 µg (2.000 %)UL 100 µg
Vitamin B122,5 µg80 µg800 µgkein UL
Folat200 µg66,7 µg (33 %)600 µg (300 %)UL 1.000 µg
Magnesium375 mg125 mg (33 %)250 mg (67 %)UL 250 mg (Nahrungsergänzung)
Zink10 mg3,3 mg (33 %)25 mg (250 %)UL 25 mg
Calcium800 mg266,7 mg (33 %)1.200 mg (150 %)UL 2.500 mg

Die Ausnahmen haben Gründe: Von einer hohen oralen Dosis Vitamin B12 wird nur etwa 1 % aufgenommen (rund 10 µg von 800 µg), deshalb liegt das Fenster weit über der RDA. Bei Vitamin D3 liegt der Referenzwert für die Kennzeichnung bei 5 µg, die angemessene Zufuhr der EFSA für Erwachsene aber bei 15 µg. Bei Magnesium und Zink entspricht das Maximum dem EFSA-UL und liegt damit unter dem Grundschema. Eisen (14 mg) und Mangan (2,5 mg) haben dagegen ein höheres Minimum. Alle Werte findest du unter Dosierungsgrenzen für Mikronährstoffe.

Praxistipp: Eine hohe Zahl auf dem Etikett ist kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, dass jede Menge begründet ist und in allen Zielmärkten zulässig bleibt.

Wechselwirkungen: Was sich stört, was sich ergänzt

Manche Nährstoffe nutzen im Darm dieselben Aufnahmewege und konkurrieren darum, wenn sie gleichzeitig ankommen. Andere können einander oxidieren. Wieder andere werden gezielt gemeinsam eingesetzt, weil sie sich ergänzen.

SituationHäufig genanntes BeispielMögliche Lösung in der Rezeptur
Konkurrierende NährstoffeCalcium und Eisen; Zink und Kupferzeitlich getrennt freisetzen oder auf getrennte Einnahmezeitpunkte verteilen
Sich ergänzende NährstoffeVitamin C und Eisengemeinsam freisetzen
Reaktive KombinationenNährstoffe, die einander oxidieren könnengetrennt verkapseln, Freisetzung über Stunden verteilen

Die klassische Antwort auf konkurrierende Nährstoffe lautet: zwei Präparate oder zwei Einnahmezeitpunkte – unbequem für deine Kundinnen und Kunden. Mit Mikrokapseln, deren Freisetzung pro Nährstoff gesteuert wird, gelingt die Trennung auch innerhalb einer einzigen Tagesportion: Der eine Nährstoff wird schnell freigesetzt, der andere über mehrere Stunden.

Eine Laborstudie von Novogenia beschreibt zudem, dass eine verzögerte Freisetzung die Last verteilt: Weil weniger auf einmal ankommt, ist es laut Studie unwahrscheinlicher, dass mehrere Nährstoffe um dieselben Transportwege in der Darmwand konkurrieren. Wie das funktioniert und wo die Grenzen dieser Daten liegen, erklären wir in Retard-Vitamine: Wann verzögerte Freisetzung sinnvoll ist.

Frag deinen Hersteller: Welche Kombinationen in meiner Rezeptur sind kritisch, und wie löst ihr das – mit Trennung, mit gesteuerter Freisetzung oder indem ein Nährstoff wegfällt?

Volumen: Wie viele Nährstoffe passen in eine Tagesportion?

Eine Tagesportion hat begrenzten Platz – egal ob Stick, Kapsel oder Messlöffel. Wie viel hineinpasst, hängt weniger von der Zahl der Nährstoffe ab als von ihren Mengen:

Passt eine Wunschrezeptur nicht in eine Portion, gibt es drei saubere Wege: Mengen innerhalb des Dosierungsfensters anpassen, Nährstoffe priorisieren oder die Tagesportion auf zwei Einheiten aufteilen. Bei personalisierten Rezepturen von Novogenia wird der Bedarf zum Beispiel auf zwei Beutel verteilt, wenn er das Volumen eines Beutels übersteigt. Eine höhere Nährstoffkonzentration in den Mikrokapseln ändert außerdem die Zahl der Kapseln, nicht aber die Dosis.

Kläre das Volumen deshalb früh, am besten schon im Briefing: Wie viel passt in die geplante Portion, und welche Nährstoffe treiben das Volumen deiner Rezeptur? Welche Form dafür am besten passt, vergleichen wir in Darreichungsformen im Vergleich.

Sonderfall Omega-3: Öl braucht ein Softgel

Die meisten Vitamine und Mineralstoffe sind Pulver, Omega-3-Fettsäuren dagegen ein Öl. Hersteller, die vor allem Pulver verarbeiten, liefern Omega-3 deshalb meist in einer eigenen Form, typischerweise als Weichkapsel (Softgel).

Bei Novogenia ist Omega-3 die einzige Ausnahme von der Regel „keine flüssigen Rohstoffe“: Es wird als veganes Softgel mit 350 mg geliefert, höchstens 4 Softgels pro Tagesportion. Für die Rezeptur heißt das:

Muster und Freigabeschleife

Eine Rezeptur entsteht selten im ersten Wurf. Plane deshalb eine klare Schleife aus Vorschlag, Prüfung, Muster und Freigabe ein:

  1. Briefing: Ziel oder exakte Rezeptur, Zielmärkte, Packungsgröße und geplante Menge.
  2. Rezepturvorschlag: Nährstoffe, Formen, Mengen pro Tagesportion und – falls relevant – die Freisetzung je Nährstoff.
  3. Prüfung: Dosierungsfenster, nationale Höchstmengen in den Zielmärkten, Wechselwirkungen und Volumen.
  4. Muster: Optik, Geruch, Geschmack und Handhabung prüfen.
  5. Anpassung: Änderungswünsche gesammelt zurückmelden, nicht einzeln.
  6. Schriftliche Freigabe: Die freigegebene Version ist die Grundlage für Etikett, Meldung und Produktion.

Jede zusätzliche Runde kostet Zeit. Bei Novogenia dauert die Entwicklung eine Woche bis drei Monate – am schnellsten, wenn alle Nährstoffe bereits als fertige Mikrotransporter auf Lager sind. Muss ein Nährstoff neu verkapselt werden, ist das ein eigenes Entwicklungsprojekt mit mehr Vorlauf. Welche Rohstoffe sich überhaupt verarbeiten lassen, liest du in Welche Rohstoffe sich verarbeiten lassen.

Legst du eine Person fest, die Änderungen bündelt und freigibt, sparst du die meisten Schleifen. Und denk daran: Für das Produkt und alles, was auf der Packung steht, ist das Unternehmen verantwortlich, unter dessen Namen es verkauft wird – auch wenn der Hersteller die Rezeptur entwickelt hat.

Checkliste für deine Rezeptur

Häufige Fragen

Gibt es gesetzliche Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel?
EU-weit einheitliche Höchstmengen gibt es bis heute nicht: Artikel 5 der Richtlinie 2002/46/EG sieht sie vor, erlassen wurden sie aber nie. Einzelne Länder haben eigene gesetzliche Höchstmengen, die du für jeden Zielmarkt prüfen musst. Als wissenschaftliche Sicherheitsgrenze dient die tolerierbare Höchstzufuhrmenge (UL) der EFSA. Novogenia hält beides ein.
Muss ich schon eine fertige Rezeptur mitbringen?
Nein. Es reicht, wenn Zielgruppe und Ziel klar sind – ein erfahrener Hersteller schlägt dir Nährstoffe, Formen und Mengen vor und begründet sie. Bringst du eine exakte Rezeptur mit, prüft er sie auf Zulässigkeit, Dosierung, Wechselwirkungen und Volumen.
Wie viele Nährstoffe passen in eine Tagesportion?
Das hängt weniger von der Zahl der Nährstoffe ab als von ihren Mengen. Vitamine im Mikrogrammbereich brauchen kaum Platz, Mineralstoffe wie Calcium oder Magnesium dagegen viel. Kläre das Volumen früh mit deinem Hersteller. Passt eine Rezeptur nicht in eine Portion, kannst du Mengen anpassen, Nährstoffe priorisieren oder die Portion aufteilen.
Kann ich Nährstoffe kombinieren, die sich bei der Aufnahme stören?
Ja, wenn die Rezeptur das berücksichtigt. Mit Mikrokapseln, deren Freisetzung pro Nährstoff gesteuert wird, lassen sich konkurrierende Nährstoffe zu unterschiedlichen Zeiten freisetzen – innerhalb einer einzigen Tagesportion. Nährstoffe, die sich ergänzen, werden dagegen gemeinsam freigesetzt.
Wie lange dauert die Entwicklung einer Rezeptur?
Bei Novogenia zwischen einer Woche und drei Monaten. Am schnellsten geht es, wenn alle Nährstoffe zu den 22 gehören, die bereits fertig auf Lager sind. Jeder neue Nährstoff ist ein eigenes Entwicklungsprojekt mit mehr Vorlauf, und jede zusätzliche Muster- oder Abstimmungsrunde verlängert den Zeitplan.

Passend dazu: Dosierungsgrenzen für Mikronährstoffe · Wie Mikrotransporter Nährstoffe abgeben · Retard-Vitamine: verzögerte Freisetzung

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