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Nahrungsergänzungsmittel-Rezeptur entwickeln: Dosierung, Höchstmengen, Wechselwirkungen
Eine gute Rezeptur beginnt beim Ziel, nicht bei der Zutatenliste. Für jeden Nährstoff legst du mit deinem Hersteller eine Menge fest, die hoch genug ist, um sinnvoll zu sein, und unter den Sicherheitsgrenzen bleibt – EU-weit einheitliche Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel gibt es bis heute nicht. Dazu kommen Wechselwirkungen zwischen Nährstoffen, das Volumen der Tagesportion sowie Muster und Freigabe. Bei Novogenia dauert die Entwicklung eine Woche bis drei Monate.
Vom Ziel zur Rezeptur: zwei Wege
Bevor es um Milligramm geht, steht eine Grundsatzfrage: Bringst du eine fertige Rezeptur mit, oder soll der Hersteller sie aus deinem Ziel ableiten? Beides ist üblich – und beide Wege landen am Ende bei derselben Prüfung von Dosierung, Wechselwirkungen und Machbarkeit.
| Kriterium | Vorschlag nach Ziel | Exakte Rezeptur |
|---|---|---|
| Was du mitbringst | Zielgruppe, Anlass und Positionierung – z. B. „Basisversorgung für Menschen mit veganer Ernährung“ | Nährstoffe, chemische Formen und Mengen pro Tagesportion |
| Was der Hersteller tut | schlägt Nährstoffe, Formen und Mengen vor und begründet sie | prüft Zulässigkeit, Dosierung, Kombinationen und Volumen |
| Vorteil | Das Fachwissen des Herstellers fließt von Anfang an ein. | Du behältst die volle Kontrolle über dein Konzept. |
| Risiko | Das Ergebnis trifft deine Vorstellung nicht, wenn das Ziel vage bleibt. | Die Rezeptur muss angepasst werden, wenn Mengen, Formen oder Volumen nicht passen. |
| Passt zu | Marken ohne eigene Ernährungsexpertise | Praxen, Fachleuten und Marken mit klarem Konzept |
Formuliere dein Ziel über Zielgruppe und Bedarf, nicht über Heilversprechen. Was du später auf die Packung schreiben darfst, hängt davon ab, welche gesundheitsbezogenen Angaben für die enthaltenen Nährstoffe in der EU zugelassen sind – und diese Angaben setzen in der Regel voraus, dass der Nährstoff mindestens in einer „signifikanten Menge“ enthalten ist. Rezeptur und Marketing solltest du deshalb von Anfang an zusammen denken.
Auch die chemische Form gehört zur Rezeptur. Folat gibt es zum Beispiel als Folsäure oder als Methylfolat. Welche Nährstoffe in welchen Formen in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden dürfen, legt die Richtlinie 2002/46/EG fest. Ein guter Hersteller sagt dir, welche Form er empfiehlt und warum.
Das Dosierungsfenster: Mindest- und Höchstmengen
Für jeden Nährstoff brauchst du eine Menge, die hoch genug ist, um sinnvoll zu sein, und niedrig genug, um sicher zu sein. Dazwischen liegt das Dosierungsfenster. Für viele überraschend: Einheitliche Zahlen dafür gibt das EU-Recht nicht vor.
- Was das EU-Recht regelt: die zulässigen Nährstoffe und ihre Formen (Richtlinie 2002/46/EG) sowie die Referenzmengen für die Kennzeichnung und die Schwelle von 15 %, ab der eine Menge als „signifikant“ gilt (Verordnung (EU) Nr. 1169/2011).
- Was fehlt: EU-weit harmonisierte Mindest- und Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel. Artikel 5 der Richtlinie sieht sie vor, erlassen wurden sie aber nie.
- Was trotzdem gilt: Einzelne Länder haben eigene gesetzliche Höchstmengen. Wer in mehrere Länder verkauft, muss die Vorgaben jedes Zielmarkts kennen.
- Die wissenschaftliche Obergrenze: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) leitet für viele Nährstoffe eine tolerierbare Höchstzufuhrmenge ab (Tolerable Upper Intake Level, UL). Das ist die höchste dauerhafte tägliche Zufuhr, bei der kein Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen zu erwarten ist.
Jeder Hersteller muss deshalb seine eigene Dosierungsregel festlegen – lass sie dir zeigen. Novogenia hat das Dosierungsfenster offengelegt, das es für personalisierte Rezepturen verwendet:
- Minimum: etwa ein Drittel (30–35 %) der Referenzmenge (RDA, auf Etiketten als NRV angegeben) für jeden enthaltenen Nährstoff – mehr als das Doppelte der 15-%-Schwelle aus dem Kennzeichnungsrecht.
- Maximum: etwa 300 % der RDA, eingesetzt nur, wenn Genetik, Lebensstildaten oder Blutwerte eine höhere Dosis begründen.
- Harte Sicherheitsgrenze: Für jeden Nährstoff mit EFSA-UL liegt das Maximum auf oder unter diesem Wert. Nationale gesetzliche Höchstmengen werden ebenfalls eingehalten.
- Ohne RDA: Inhaltsstoffe wie Omega-3, Coenzym Q10, Alpha-Liponsäure, Lutein, MSM oder Phytosterine haben je Inhaltsstoff ein festes Minimum und Maximum.
Einige Nährstoffe weichen bewusst vom Grundschema ab. Ein Auszug aus der veröffentlichten Tabelle (Mengen pro Tag, Prozentangaben bezogen auf die RDA):
| Nährstoff | RDA | Minimum | Maximum | EFSA, Erwachsene |
|---|---|---|---|---|
| Vitamin C | 80 mg | 26,7 mg (33 %) | 240 mg (300 %) | kein UL |
| Vitamin D3 | 5 µg | 10 µg (200 %) | 100 µg (2.000 %) | UL 100 µg |
| Vitamin B12 | 2,5 µg | 80 µg | 800 µg | kein UL |
| Folat | 200 µg | 66,7 µg (33 %) | 600 µg (300 %) | UL 1.000 µg |
| Magnesium | 375 mg | 125 mg (33 %) | 250 mg (67 %) | UL 250 mg (Nahrungsergänzung) |
| Zink | 10 mg | 3,3 mg (33 %) | 25 mg (250 %) | UL 25 mg |
| Calcium | 800 mg | 266,7 mg (33 %) | 1.200 mg (150 %) | UL 2.500 mg |
Die Ausnahmen haben Gründe: Von einer hohen oralen Dosis Vitamin B12 wird nur etwa 1 % aufgenommen (rund 10 µg von 800 µg), deshalb liegt das Fenster weit über der RDA. Bei Vitamin D3 liegt der Referenzwert für die Kennzeichnung bei 5 µg, die angemessene Zufuhr der EFSA für Erwachsene aber bei 15 µg. Bei Magnesium und Zink entspricht das Maximum dem EFSA-UL und liegt damit unter dem Grundschema. Eisen (14 mg) und Mangan (2,5 mg) haben dagegen ein höheres Minimum. Alle Werte findest du unter Dosierungsgrenzen für Mikronährstoffe.
Praxistipp: Eine hohe Zahl auf dem Etikett ist kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, dass jede Menge begründet ist und in allen Zielmärkten zulässig bleibt.
Wechselwirkungen: Was sich stört, was sich ergänzt
Manche Nährstoffe nutzen im Darm dieselben Aufnahmewege und konkurrieren darum, wenn sie gleichzeitig ankommen. Andere können einander oxidieren. Wieder andere werden gezielt gemeinsam eingesetzt, weil sie sich ergänzen.
| Situation | Häufig genanntes Beispiel | Mögliche Lösung in der Rezeptur |
|---|---|---|
| Konkurrierende Nährstoffe | Calcium und Eisen; Zink und Kupfer | zeitlich getrennt freisetzen oder auf getrennte Einnahmezeitpunkte verteilen |
| Sich ergänzende Nährstoffe | Vitamin C und Eisen | gemeinsam freisetzen |
| Reaktive Kombinationen | Nährstoffe, die einander oxidieren können | getrennt verkapseln, Freisetzung über Stunden verteilen |
Die klassische Antwort auf konkurrierende Nährstoffe lautet: zwei Präparate oder zwei Einnahmezeitpunkte – unbequem für deine Kundinnen und Kunden. Mit Mikrokapseln, deren Freisetzung pro Nährstoff gesteuert wird, gelingt die Trennung auch innerhalb einer einzigen Tagesportion: Der eine Nährstoff wird schnell freigesetzt, der andere über mehrere Stunden.
Eine Laborstudie von Novogenia beschreibt zudem, dass eine verzögerte Freisetzung die Last verteilt: Weil weniger auf einmal ankommt, ist es laut Studie unwahrscheinlicher, dass mehrere Nährstoffe um dieselben Transportwege in der Darmwand konkurrieren. Wie das funktioniert und wo die Grenzen dieser Daten liegen, erklären wir in Retard-Vitamine: Wann verzögerte Freisetzung sinnvoll ist.
Frag deinen Hersteller: Welche Kombinationen in meiner Rezeptur sind kritisch, und wie löst ihr das – mit Trennung, mit gesteuerter Freisetzung oder indem ein Nährstoff wegfällt?
Volumen: Wie viele Nährstoffe passen in eine Tagesportion?
Eine Tagesportion hat begrenzten Platz – egal ob Stick, Kapsel oder Messlöffel. Wie viel hineinpasst, hängt weniger von der Zahl der Nährstoffe ab als von ihren Mengen:
- Vitamine im Mikrogrammbereich wie Vitamin B12, D3 oder Folat brauchen kaum Platz.
- Mineralstoffe wie Calcium oder Magnesium werden in Hunderten Milligramm dosiert – das Maximum für Calcium liegt in der Tabelle oben bei 1.200 mg pro Tag. Sie bestimmen meist das Volumen.
- Die Verbindung wiegt mehr als der Nährstoff: Auf dem Etikett steht die Menge des Nährstoffs selbst, verarbeitet wird aber eine Verbindung, etwa ein Salz des Mineralstoffs. Die Masse, die in die Portion muss, ist deshalb größer als die Zahl auf dem Etikett.
- Trägermaterial und Hüllen brauchen ebenfalls Platz, vor allem wenn Nährstoffe getrennt verkapselt oder mit einer Retard- oder magensaftresistenten Hülle versehen werden.
Passt eine Wunschrezeptur nicht in eine Portion, gibt es drei saubere Wege: Mengen innerhalb des Dosierungsfensters anpassen, Nährstoffe priorisieren oder die Tagesportion auf zwei Einheiten aufteilen. Bei personalisierten Rezepturen von Novogenia wird der Bedarf zum Beispiel auf zwei Beutel verteilt, wenn er das Volumen eines Beutels übersteigt. Eine höhere Nährstoffkonzentration in den Mikrokapseln ändert außerdem die Zahl der Kapseln, nicht aber die Dosis.
Kläre das Volumen deshalb früh, am besten schon im Briefing: Wie viel passt in die geplante Portion, und welche Nährstoffe treiben das Volumen deiner Rezeptur? Welche Form dafür am besten passt, vergleichen wir in Darreichungsformen im Vergleich.
Sonderfall Omega-3: Öl braucht ein Softgel
Die meisten Vitamine und Mineralstoffe sind Pulver, Omega-3-Fettsäuren dagegen ein Öl. Hersteller, die vor allem Pulver verarbeiten, liefern Omega-3 deshalb meist in einer eigenen Form, typischerweise als Weichkapsel (Softgel).
Bei Novogenia ist Omega-3 die einzige Ausnahme von der Regel „keine flüssigen Rohstoffe“: Es wird als veganes Softgel mit 350 mg geliefert, höchstens 4 Softgels pro Tagesportion. Für die Rezeptur heißt das:
- Die Omega-3-Menge ergibt sich aus der Zahl der Softgels – eine stufenlose Dosierung gibt es nicht.
- Omega-3 hat keine RDA. Wie für andere Inhaltsstoffe ohne Referenzmenge gilt ein festes Minimum und Maximum.
- Plane die Softgels bei Volumen, Verpackung und Verzehrempfehlung von Anfang an mit ein.
Muster und Freigabeschleife
Eine Rezeptur entsteht selten im ersten Wurf. Plane deshalb eine klare Schleife aus Vorschlag, Prüfung, Muster und Freigabe ein:
- Briefing: Ziel oder exakte Rezeptur, Zielmärkte, Packungsgröße und geplante Menge.
- Rezepturvorschlag: Nährstoffe, Formen, Mengen pro Tagesportion und – falls relevant – die Freisetzung je Nährstoff.
- Prüfung: Dosierungsfenster, nationale Höchstmengen in den Zielmärkten, Wechselwirkungen und Volumen.
- Muster: Optik, Geruch, Geschmack und Handhabung prüfen.
- Anpassung: Änderungswünsche gesammelt zurückmelden, nicht einzeln.
- Schriftliche Freigabe: Die freigegebene Version ist die Grundlage für Etikett, Meldung und Produktion.
Jede zusätzliche Runde kostet Zeit. Bei Novogenia dauert die Entwicklung eine Woche bis drei Monate – am schnellsten, wenn alle Nährstoffe bereits als fertige Mikrotransporter auf Lager sind. Muss ein Nährstoff neu verkapselt werden, ist das ein eigenes Entwicklungsprojekt mit mehr Vorlauf. Welche Rohstoffe sich überhaupt verarbeiten lassen, liest du in Welche Rohstoffe sich verarbeiten lassen.
Legst du eine Person fest, die Änderungen bündelt und freigibt, sparst du die meisten Schleifen. Und denk daran: Für das Produkt und alles, was auf der Packung steht, ist das Unternehmen verantwortlich, unter dessen Namen es verkauft wird – auch wenn der Hersteller die Rezeptur entwickelt hat.
Checkliste für deine Rezeptur
- Ziel und Zielgruppe sind klar formuliert – ohne Heilversprechen.
- Für jeden Nährstoff sind chemische Form und Menge pro Tagesportion festgelegt.
- Jede Menge liegt im Dosierungsfenster des Herstellers und unter den Sicherheitsgrenzen.
- Nationale Höchstmengen sind für jeden Zielmarkt geprüft.
- Kritische Kombinationen sind erkannt und gelöst – durch Trennung oder gesteuerte Freisetzung.
- Das Volumen passt in die geplante Portion.
- Sonderfälle wie Omega-3 sind bei Volumen und Verpackung eingeplant.
- Die geplanten Werbeaussagen passen zu den enthaltenen Mengen.
- Alle Rohstoffe sind verfügbar; Neuentwicklungen sind im Zeitplan berücksichtigt.
- Das Muster ist geprüft, die finale Version schriftlich freigegeben.
Häufige Fragen
Gibt es gesetzliche Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel?
Muss ich schon eine fertige Rezeptur mitbringen?
Wie viele Nährstoffe passen in eine Tagesportion?
Kann ich Nährstoffe kombinieren, die sich bei der Aufnahme stören?
Wie lange dauert die Entwicklung einer Rezeptur?
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