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Ratgeber Lohnherstellung

Nahrungsergänzungsmittel verkaufen: Shop, Amazon, Praxis, Direktvertrieb und mehr

Fachlich geprüft von Dr. Daniel Wallerstorfer, Molekularbiologe und Gründer von Novogenia · Stand: 11. Oktober 2026 · Lesezeit: 7 Min.

Kurz gesagt

Nahrungsergänzungsmittel kannst du über sechs typische Wege verkaufen: im eigenen Online-Shop, über Marktplätze, in Praxen und Beratung, über Apotheken und Drogerien, im Direktvertrieb oder B2B an Unternehmen. Jeder Weg hat eigene Anforderungen an Marge, Verpackung, Logistik und Marketing. Für alle gilt: Gesundheitsbezogene Werbeaussagen sind nur erlaubt, wenn sie in der EU zugelassen sind.

Warum der Vertriebsweg früh feststehen sollte

Viele Gründerinnen und Gründer denken beim eigenen Nahrungsergänzungsmittel zuerst an die Rezeptur. Der Vertriebsweg entscheidet aber über fast alles, was danach kommt: über die Packungsgröße, die Verpackung, den Verkaufspreis, die Marge, die Startmenge und darüber, wie du dein Produkt erklärst. Ein Produkt für die Apotheke braucht eine andere Verpackung als eines für den Direktvertrieb; ein Produkt für den eigenen Shop eine andere Preisstrategie als eines für einen Marktplatz.

Kläre den Vertriebsweg deshalb schon im Konzept – also bevor du die Verpackung gestaltest und die erste Menge bestellst.

Der Preis muss zum Kanal passen

Rechne vom Verkaufspreis rückwärts. Von dem, was deine Kundin bezahlt, gehen je nach Kanal unterschiedliche Posten ab:

Bleibt danach zu wenig übrig, passt entweder der Kanal oder der Preis nicht. Wie sich die Herstellkosten zusammensetzen, erklärt das Kapitel Was kostet Lohnherstellung?

Die Vertriebswege im Vergleich

VertriebswegVorteileNachteilePasst zu
Eigener Online-Shopvolle Marge, eigene Kundendaten, Abo gut umsetzbardu musst Besucher selbst gewinnen; Zahlung, Versand und Service liegen bei dirMarken mit Reichweite, Community oder Werbebudget
Marktplätzegroße Reichweite, Vertrauen in die Plattformeigene Regeln und Freigaben, Gebühren, starker Preisvergleich, wenig KundendatenProdukte mit klarer Suchnachfrage
Praxen und Beratunghohes Vertrauen, persönliche Empfehlungbegrenzte Stückzahlen pro Praxis, berufsrechtliche Regeln beachtenerklärungsbedürftige und personalisierte Produkte
Apotheken und DrogerienGlaubwürdigkeit, LaufkundschaftHandelsspanne, Listung schwierig für neue Marken, bedruckte Verpackung nötigetablierte Marken, Eigenmarken des Handels
Direktvertriebpersönliche Empfehlung, wiederkehrender BedarfProvisionen, Verantwortung für Aussagen der PartnerProdukte für die tägliche Einnahme
B2B und betriebliche Gesundheitgrößere Abnahmemengen pro Kundelange Entscheidungswege, wenige große KundenUnternehmen, Studios, Einrichtungen

Eigener Online-Shop

Im eigenen Shop gehört dir die ganze Kundenbeziehung: Du kennst deine Käuferinnen und Käufer, kannst sie erneut ansprechen und ein Abo mit automatischer Nachbestellung anbieten. Kein Händler verdient mit, die Marge bleibt bei dir.

Der Preis dafür: Du musst Besucher selbst gewinnen – über Werbung, Inhalte, Social Media oder eine bestehende Community. Dazu kommen Zahlungsabwicklung, Versand, Kundenservice und die rechtlichen Pflichten eines Online-Shops. Prüfe die Vorgaben für den Online-Handel in deinem Zielmarkt.

Tipp: Der Shop ist der natürliche Ort für ein Abo. Wie du damit planbaren Umsatz aufbaust, steht im Kapitel Abo-Modelle.

Marktplätze wie Amazon

Marktplätze bringen Reichweite, die ein neuer Shop erst aufbauen müsste. Kundinnen und Kunden suchen dort gezielt nach Produkten und vertrauen der Plattform beim Bezahlen und beim Versand.

Dafür gelten die Regeln des Marktplatzes. Für Nahrungsergänzungsmittel haben Marktplätze eigene Vorgaben, teilweise mit Freigabeprozessen und Anforderungen an Unterlagen, die sich ändern können. Prüfe die aktuellen Bedingungen deshalb, bevor du Verpackung und Startmenge planst. Weitere Punkte:

Praxen, Therapeuten und Beratung

Ärztinnen, Heilpraktiker, Ernährungsberaterinnen, Physiotherapeuten oder Trainerinnen genießen das Vertrauen ihrer Klienten. Eine Empfehlung aus der Beratung wiegt schwerer als jede Anzeige. Das macht diesen Weg ideal für erklärungsbedürftige Produkte – und besonders für personalisierte Nahrungsergänzung, bei der Gen- oder Blutdaten besprochen werden.

Zwei Punkte solltest du kennen:

Für Praxen eignet sich oft ein Modell, bei dem die Praxis empfiehlt und der Versand direkt an die Klienten geht – ohne Lager in der Praxis.

Apotheken und Drogerien

Im Handel profitierst du von Glaubwürdigkeit und Laufkundschaft. Für neue Marken ist der Weg ins Regal aber anspruchsvoll: Der Handel will an jedem Produkt mitverdienen, oft läuft die Belieferung über Großhändler, und für die Listung brauchst du überzeugende Argumente – etwa nachgewiesene Nachfrage aus deinem eigenen Shop.

Für den Handel brauchst du in der Regel eine voll bedruckte Verpackung mit Strichcode und eine Kalkulation, die die Handelsspanne trägt. Mehr zu den Verpackungsoptionen im Kapitel Verpackung.

Eine Alternative ist die umgekehrte Richtung: Apotheken und Drogerien, die selbst eine Eigenmarke aufbauen und dafür einen Lohnhersteller suchen.

Direktvertrieb und Network-Marketing

Im Direktvertrieb empfehlen selbstständige Vertriebspartner dein Produkt in ihrem Umfeld. Nahrungsergänzungsmittel passen gut dazu, weil sie täglich eingenommen und regelmäßig nachgekauft werden – jede gewonnene Kundin bringt im besten Fall wiederkehrenden Umsatz.

B2B und betriebliche Gesundheit

Auch Unternehmen kaufen Nahrungsergänzungsmittel – etwa als Angebot für Mitarbeitende im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Weitere B2B-Kunden können Fitnessstudios, Hotels oder Einrichtungen sein, die ein Produkt unter ihrer eigenen Marke anbieten wollen.

Der Vorteil: größere Mengen pro Kunde. Der Nachteil: lange Entscheidungswege, Ausschreibungen und eine starke Abhängigkeit von wenigen Abnehmern. Steuerliche und arbeitsrechtliche Fragen rund um Angebote für Mitarbeitende solltest du im jeweiligen Land prüfen lassen.

Logistik: Wer verschickt deine Ware?

Mit dem Vertriebsweg entscheidest du auch, wie die Ware zu deiner Kundschaft kommt:

OptionSo funktioniert esPasst, wenn …
Lieferung an dein LagerDer Hersteller liefert die fertige Ware an dich, du versendest selbst.du ohnehin ein Lager hast oder an Händler lieferst.
Externer Fulfillment-DienstleisterEin Logistiker lagert, verpackt und versendet für dich.du große Mengen über mehrere Kanäle verkaufst.
Hersteller als Fulfillment-PartnerDer Hersteller versendet direkt an deine Endkunden, unter deiner Marke.du kein Lager willst, ein Abo anbietest oder personalisierte Produkte verkaufst.

Bei personalisierten Produkten ist der Direktversand fast zwingend: Jede Box wird für eine bestimmte Person produziert, ein Zwischenlager bringt keinen Vorteil.

Marketing: Die Regeln gelten auf jedem Kanal

Egal, ob im Shop, auf dem Marktplatz, im Beratungsgespräch oder im Post einer Vertriebspartnerin: Gesundheitsbezogene Aussagen über ein Nahrungsergänzungsmittel sind nur erlaubt, wenn sie in der EU zugelassen sind. Heilversprechen sind bei Lebensmitteln grundsätzlich tabu. Welche Formulierungen erlaubt sind, erklärt das Kapitel Health Claims: Was du bewerben darfst.

Verantwortlich ist, wer das Produkt unter eigenem Namen verkauft. Lege deshalb früh eine Sammlung geprüfter Aussagen an, die alle Kanäle und Partner nutzen.

Kanäle kombinieren: Checkliste

Die meisten Marken starten mit einem Kanal, lernen ihre Zielgruppe kennen und ergänzen dann weitere. Achte dabei auf einheitliche Preise und Aussagen, damit sich deine Kanäle nicht gegenseitig schaden.

Häufige Fragen

Wo kann ich Nahrungsergänzungsmittel verkaufen?
Die wichtigsten Wege sind der eigene Online-Shop, Marktplätze, Praxen und Beratung, Apotheken und Drogerien, der Direktvertrieb sowie B2B-Kunden wie Unternehmen. Welcher Weg passt, hängt von deiner Zielgruppe, deiner Marge und davon ab, wie erklärungsbedürftig dein Produkt ist. Viele Marken starten mit einem Kanal und ergänzen später weitere.
Was muss ich vor dem ersten Verkauf erledigt haben?
Wer ein Nahrungsergänzungsmittel unter eigenem Namen verkauft, ist für Produkt und Kennzeichnung verantwortlich. Viele EU-Länder verlangen eine Meldung – in Deutschland etwa beim BVL spätestens beim ersten Inverkehrbringen, in Österreich ist keine vorgesehen. Händler und Marktplätze können zusätzlich eigene Nachweise verlangen. Bei Novogenia übernehmen wir die Meldung in den meisten Fällen oder begleiten dich dabei.
Kann ich Nahrungsergänzungsmittel auf Amazon verkaufen?
Grundsätzlich ja, aber Marktplätze haben eigene Regeln für Nahrungsergänzungsmittel, teilweise mit Freigabeprozessen und Dokumentenanforderungen, die sich ändern können. Prüfe die aktuellen Vorgaben des Marktplatzes, bevor du Verpackung und Startmenge planst – und achte darauf, dass auch dein Angebotstext nur zugelassene Health Claims enthält.
Eignet sich Direktvertrieb für Nahrungsergänzungsmittel?
Ja, weil Nahrungsergänzungsmittel täglich verbraucht und regelmäßig nachgekauft werden. Wichtig: Du bist als Marke auch dafür verantwortlich, was deine Vertriebspartner über das Produkt sagen. Schule sie deshalb, welche Aussagen erlaubt sind, und stelle ihnen geprüfte Texte zur Verfügung.
Kann Novogenia direkt an meine Kundinnen und Kunden versenden?
Ja. Novogenia kann als Fulfillment-Partner direkt an deine Kundschaft versenden, unter deiner Marke. Abgerechnet wird über Novogenia oder über dein eigenes System. So brauchst du für den Start kein eigenes Lager.

Passend dazu: Abo-Modelle: wiederkehrender Umsatz · Health Claims: Was du bewerben darfst · White Label: personalisierte Nahrungsergänzung

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