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Ratgeber Nutrigenetik

Vom Genprofil zur personalisierten Nahrungsergänzung

Fachlich geprüft von Dr. Daniel Wallerstorfer, Molekularbiologe und Gründer von Novogenia · Stand: 12. Oktober 2026 · Lesezeit: 8 Min.

Kurz gesagt

Eine personalisierte Rezeptur entsteht nie aus einem einzelnen Gen. Bei Novogenia fließen rund 50 Gene mit je drei möglichen Genotypen, Körperdaten, ein Fragebogen und – soweit vorhanden – Blutwerte ein; Blutwerte haben Vorrang. Jede Dosis bleibt in einem Fenster zwischen einem Drittel und dem Dreifachen der Referenzmenge, höchstens bis zur tolerierbaren Höchstzufuhrmenge der EFSA. Jeder Baustein der Berechnung ist wissenschaftlich begründet; die genbasierten Anpassungen sind logische Schlussfolgerungen.

Folat: ein Nährstoff, der erst umgebaut werden muss

Folat aus dem Essen oder aus Nahrungsergänzungsmitteln kann dein Körper nicht sofort nutzen. Er baut es erst in mehreren Arbeitsschritten um. Einen der letzten erledigt ein Werkzeug, dessen Bauanleitung im MTHFR-Gen steht. Ist dieses Gen beeinträchtigt, arbeitet das Werkzeug langsamer – wie eine Fertigungsstraße, an der eine Station gedrosselt läuft.

Das lässt sich messen: Eine Meta-Analyse bei gesunden Frauen fand bei zwei beeinträchtigten Kopien der Variante MTHFR 677C>T (Genotyp TT) im Serum oder Plasma um 13 % und in den roten Blutkörperchen um 16 % niedrigere Folatwerte als bei zwei funktionierenden Kopien (CC), gemessen mit der empfohlenen mikrobiologischen Methode (Tsang et al., American Journal of Clinical Nutrition, 2015).

Das zeigt eindrucksvoll: Gene verschieben den Nährstoffstatus messbar. Daraus lässt sich ableiten: Wer beeinträchtigte MTHFR-Gene trägt, hat einen guten Grund, auf eine gute Folatversorgung zu achten. Wie viel genau, berechnet ein Algorithmus – aus vielen Daten, nicht aus einem einzelnen Gen. Wie das funktioniert, zeigt dieser Artikel.

Drei Wege, wie Gene den Nährstoffbedarf verschieben

In Novogenia-Berichten heißen die Gene bewusst einfach „funktionierend“ oder „beeinträchtigt“ – eine Vereinfachung; fachlich korrekt spricht man von Genvarianten oder Polymorphismen. Ein beeinträchtigtes Gen kann auf drei Arten wirken:

Ein Beispiel aus der Forschung: In einer Genomstudie mit 33.996 Menschen europäischer Herkunft beeinflussten Varianten in oder nahe den Genen GC, DHCR7 und CYP2R1 den Vitamin-D-Spiegel. Wer beim kombinierten Gen-Score im obersten Viertel lag, hatte gegenüber dem untersten Viertel ein deutlich erhöhtes Risiko für Werte unter 75 nmol/l (Odds Ratio 2,47; Wang et al., Lancet, 2010). Sonne und Ernährung bestimmen den Spiegel trotzdem mit – die Gene sind ein Faktor unter vielen.

Vier Datenquellen – und wer das letzte Wort hat

DatenquelleWas sie beschreibtWas du wissen solltest
Genetikdie Veranlagung: wie der Körper bestimmte Nährstoffe verarbeitetbei Novogenia rund 50 Gene mit je drei möglichen Genotypen; ändert sich im Leben nicht
KörperdatenGeschlecht, Alter, KörpergewichtDas Alter wird für jede Produktion neu berechnet.
FragebogenErnährung und Lebensstil, etwa Obst und Gemüse, Milchprodukte, vegane oder vegetarische Ernährung, Rauchen, Alkohol, Sonne, Trainingeinfach zu erheben und jederzeit zu aktualisieren
Blutwerteden aktuellen Versorgungszustandhaben Vorrang: Ein gemessener Mangel setzt den Nährstoff auf die Maximaldosis, ein gemessener Überschuss nimmt ihn ganz heraus.

Gene sagen, wohin die Reise tendenziell geht. Blutwerte sagen, wo dein Klient heute steht. Deshalb haben sie das letzte Wort.

So entsteht eine Dosis: Gene sind Regler, nicht der Lautstärkeknopf

Stell dir die Berechnung als Mischpult vor. Jedes Gen ist ein Regler, dazu kommen Regler für Alter, Gewicht, Ernährung und Lebensstil. Die Dosis ist der Gesamtklang – nie das Ergebnis eines einzelnen Reglers. Bei Novogenia führen sieben Schritte zur Dosis jedes Nährstoffs:

  1. Basisempfehlung: eine empfohlene Zufuhr je Nährstoff, Alter und Geschlecht, mit den etablierten Referenzwerten (D-A-CH, EFSA) als Rahmen.
  2. Körpergewicht und weitere Faktoren: Ein höheres Gewicht hebt die Rezeptur an, vor allem bei Nährstoffen des Energiestoffwechsels; Leistungssport erhöht den Bedarf, das Alter verschiebt ihn.
  3. Genetische Gewichtung: Beeinträchtigte Gene werden anhand der Fachliteratur gewichtet.
  4. Ernährung und Lebensstil: Die Angaben aus dem Fragebogen wirken auf denselben Nährstoff.
  5. Blutwerte: Wo vorhanden, haben sie Vorrang.
  6. Mehrere Bereiche je Nährstoff: Meist beeinflussen mehrere Teile der Analyse einen Nährstoff; es zählt der höchste Bedarf.
  7. Fenster und Obergrenze: Zum Schluss wird der berechnete Bedarf in das Dosierungsfenster eingepasst.

Leitplanken: das Dosierungsfenster

Personalisierung heißt nicht „so viel wie möglich“. EU-weite Mindest- und Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel sind zwar vorgesehen, wurden aber nie erlassen. Novogenia arbeitet deshalb mit eigenen, veröffentlichten Leitplanken:

BeispielMinimum pro TagMaximum pro TagRegel
Folsäure66,7 µg600 µgein Drittel und das Dreifache der Referenzmenge
Vitamin D310 µg100 µgAusnahme über dem Fenster; Maximum entspricht der EFSA-Obergrenze
Zink3,3 mg25 mgMaximum an der EFSA-Obergrenze verankert

Alle Grenzwerte je Nährstoff findest du unter Dosierungsgrenzen für Mikronährstoffe.

Warum „Gen X = Dosis Y“ falsch ist

Klienten fragen oft: „Welches Gen ist schuld an meiner hohen Vitamin-D-Dosis?“ Die ehrliche Antwort: keines allein. Jede Dosis entsteht aus rund 50 Genen plus Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Ernährung, Lebensstil und, soweit vorhanden, Blutwerten. Eine Aussage der Form „Gen X ergibt Nährstoff Y in Dosis Z“ wäre falsch.

Zwei weitere Punkte helfen im Gespräch:

Ein Beispiel: eine Dosis am Maximum erklären

Ein frei erfundenes, typisches Beispiel: Ein Klient, 38, arbeitet viel im Büro, ist selten in der Sonne und wundert sich, warum Vitamin D3 in seiner Rezeptur am Maximum liegt. So kannst du es erklären:

So versteht dein Klient, dass seine Dosis kein Zufall und kein Einzelgen-Effekt ist, sondern das Ergebnis vieler Daten innerhalb fester Grenzen.

Wissenschaftlich begründet – Baustein für Baustein

Jeder Baustein der Berechnung steht auf wissenschaftlichem Fundament: die etablierten Referenzwerte, die Fachliteratur zu jeder Genvariante – jedes Gen ist durch mindestens drei unabhängige Studien gestützt – und die Sicherheitsbewertungen der EFSA.

Dass persönliche Empfehlungen Menschen bewegen, zeigt die Food4Me-Studie: Personalisierte Beratung verbesserte die Ernährung stärker als allgemeine Empfehlungen (Celis-Morales et al., International Journal of Epidemiology, 2017). Für das fertige, vollständig personalisierte Kombinationsprodukt gibt es noch keine großen randomisierten Studien, die einen Vorteil im Ergebnis gegenüber standardisierter Nahrungsergänzung belegen – das gilt für die personalisierte Nutrigenetik insgesamt. Beschreibe genbasierte Anpassungen deshalb als das, was sie sind: logische Schlussfolgerungen, nicht wissenschaftlich bewiesen.

Deine Rolle in der Beratung

Vom Bericht zur Tagesportion

Jeder Nährstoff steckt in eigenen Mikrotransportern – kleinen Pellets, die für jede Person nach ihrer Rezeptur zusammengestellt und in Tagesbeutel abgefüllt werden. Eine Lieferung reicht 90 Tage; danach wird nachbestellt, und die Rezeptur wird neu berechnet. Wie das im Detail funktioniert, beschreibt Wie eine personalisierte Rezeptur berechnet wird.

Du willst personalisierte Nahrungsergänzung unter deiner eigenen Marke anbieten oder ein eigenes Produkt entwickeln? Den Weg von der Idee bis zur Produktion zeigt Personalisierte Nahrungsergänzung herstellen im Ratgeber Lohnherstellung; die Partnermodelle findest du in Nutrigenetik als Leistung.

Häufige Fragen

Welches Gen bestimmt die Dosis eines Vitamins?
Keines allein. Jede Dosis ergibt sich aus rund 50 Genen plus Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Ernährung, Lebensstil und, soweit vorhanden, Blutwerten. Eine Aussage wie „Gen X ergibt Nährstoff Y in Dosis Z“ wäre falsch.
Was passiert, wenn Blutwerte vorliegen?
Sie haben für den betreffenden Nährstoff Vorrang, weil sie den aktuellen Zustand zeigen, nicht eine Veranlagung. Bei Novogenia setzt ein gemessener Mangel den Nährstoff auf die Maximaldosis, ein gemessener Überschuss nimmt ihn ganz aus der Rezeptur.
Kann eine personalisierte Rezeptur zu hoch dosiert sein?
Innerhalb der Rezeptur nicht: Jede Dosis bleibt in einem festen Fenster, und das Maximum liegt auf oder unter der tolerierbaren Höchstzufuhrmenge der EFSA. Frag deine Klienten aber immer nach weiteren Nahrungsergänzungsmitteln – deren Mengen kommen dazu.
Ist personalisierte Nahrungsergänzung besser als ein Standardpräparat?
Jeder Baustein der Berechnung ist wissenschaftlich begründet: Referenzwerte, Literatur zu jeder Genvariante und die Sicherheitsbewertungen der EFSA. Für das fertige, vollständig personalisierte Kombinationsprodukt gibt es noch keine großen randomisierten Studien, die einen Vorteil gegenüber standardisierter Nahrungsergänzung belegen. Die genbasierten Anpassungen sind logische Schlussfolgerungen.
Warum ändert sich die Rezeptur mit der Zeit?
Weil das Alter bei jeder Produktion neu berechnet wird, weil neue Fragebogen- oder Blutwerte dazukommen können und weil neue wissenschaftliche Erkenntnisse frühere Annahmen ändern können. Eine höhere Konzentration in den Mikrotransportern ändert nur die Zahl der Pellets, nicht die Dosis.

Passend dazu: Wie eine personalisierte Rezeptur berechnet wird · Dosierungsgrenzen für Mikronährstoffe · Personalisierte Nahrungsergänzung herstellen

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