Startseite › Ratgeber Nutrigenetik › Personalisierte Nahrungsergänzung
Vom Genprofil zur personalisierten Nahrungsergänzung
Eine personalisierte Rezeptur entsteht nie aus einem einzelnen Gen. Bei Novogenia fließen rund 50 Gene mit je drei möglichen Genotypen, Körperdaten, ein Fragebogen und – soweit vorhanden – Blutwerte ein; Blutwerte haben Vorrang. Jede Dosis bleibt in einem Fenster zwischen einem Drittel und dem Dreifachen der Referenzmenge, höchstens bis zur tolerierbaren Höchstzufuhrmenge der EFSA. Jeder Baustein der Berechnung ist wissenschaftlich begründet; die genbasierten Anpassungen sind logische Schlussfolgerungen.
Folat: ein Nährstoff, der erst umgebaut werden muss
Folat aus dem Essen oder aus Nahrungsergänzungsmitteln kann dein Körper nicht sofort nutzen. Er baut es erst in mehreren Arbeitsschritten um. Einen der letzten erledigt ein Werkzeug, dessen Bauanleitung im MTHFR-Gen steht. Ist dieses Gen beeinträchtigt, arbeitet das Werkzeug langsamer – wie eine Fertigungsstraße, an der eine Station gedrosselt läuft.
Das lässt sich messen: Eine Meta-Analyse bei gesunden Frauen fand bei zwei beeinträchtigten Kopien der Variante MTHFR 677C>T (Genotyp TT) im Serum oder Plasma um 13 % und in den roten Blutkörperchen um 16 % niedrigere Folatwerte als bei zwei funktionierenden Kopien (CC), gemessen mit der empfohlenen mikrobiologischen Methode (Tsang et al., American Journal of Clinical Nutrition, 2015).
Das zeigt eindrucksvoll: Gene verschieben den Nährstoffstatus messbar. Daraus lässt sich ableiten: Wer beeinträchtigte MTHFR-Gene trägt, hat einen guten Grund, auf eine gute Folatversorgung zu achten. Wie viel genau, berechnet ein Algorithmus – aus vielen Daten, nicht aus einem einzelnen Gen. Wie das funktioniert, zeigt dieser Artikel.
Drei Wege, wie Gene den Nährstoffbedarf verschieben
In Novogenia-Berichten heißen die Gene bewusst einfach „funktionierend“ oder „beeinträchtigt“ – eine Vereinfachung; fachlich korrekt spricht man von Genvarianten oder Polymorphismen. Ein beeinträchtigtes Gen kann auf drei Arten wirken:
- Es bremst die Umwandlung in die aktive Form – zum Beispiel bei Folat oder Coenzym Q10.
- Es macht einen sonst nützlichen Stoff ungünstig – zum Beispiel Eisen oder Omega-3.
- Es erhöht die Menge, die nötig ist, damit ein Nährstoff wirkt – zum Beispiel bei Selen oder Vitamin D3.
Ein Beispiel aus der Forschung: In einer Genomstudie mit 33.996 Menschen europäischer Herkunft beeinflussten Varianten in oder nahe den Genen GC, DHCR7 und CYP2R1 den Vitamin-D-Spiegel. Wer beim kombinierten Gen-Score im obersten Viertel lag, hatte gegenüber dem untersten Viertel ein deutlich erhöhtes Risiko für Werte unter 75 nmol/l (Odds Ratio 2,47; Wang et al., Lancet, 2010). Sonne und Ernährung bestimmen den Spiegel trotzdem mit – die Gene sind ein Faktor unter vielen.
Vier Datenquellen – und wer das letzte Wort hat
| Datenquelle | Was sie beschreibt | Was du wissen solltest |
|---|---|---|
| Genetik | die Veranlagung: wie der Körper bestimmte Nährstoffe verarbeitet | bei Novogenia rund 50 Gene mit je drei möglichen Genotypen; ändert sich im Leben nicht |
| Körperdaten | Geschlecht, Alter, Körpergewicht | Das Alter wird für jede Produktion neu berechnet. |
| Fragebogen | Ernährung und Lebensstil, etwa Obst und Gemüse, Milchprodukte, vegane oder vegetarische Ernährung, Rauchen, Alkohol, Sonne, Training | einfach zu erheben und jederzeit zu aktualisieren |
| Blutwerte | den aktuellen Versorgungszustand | haben Vorrang: Ein gemessener Mangel setzt den Nährstoff auf die Maximaldosis, ein gemessener Überschuss nimmt ihn ganz heraus. |
Gene sagen, wohin die Reise tendenziell geht. Blutwerte sagen, wo dein Klient heute steht. Deshalb haben sie das letzte Wort.
So entsteht eine Dosis: Gene sind Regler, nicht der Lautstärkeknopf
Stell dir die Berechnung als Mischpult vor. Jedes Gen ist ein Regler, dazu kommen Regler für Alter, Gewicht, Ernährung und Lebensstil. Die Dosis ist der Gesamtklang – nie das Ergebnis eines einzelnen Reglers. Bei Novogenia führen sieben Schritte zur Dosis jedes Nährstoffs:
- Basisempfehlung: eine empfohlene Zufuhr je Nährstoff, Alter und Geschlecht, mit den etablierten Referenzwerten (D-A-CH, EFSA) als Rahmen.
- Körpergewicht und weitere Faktoren: Ein höheres Gewicht hebt die Rezeptur an, vor allem bei Nährstoffen des Energiestoffwechsels; Leistungssport erhöht den Bedarf, das Alter verschiebt ihn.
- Genetische Gewichtung: Beeinträchtigte Gene werden anhand der Fachliteratur gewichtet.
- Ernährung und Lebensstil: Die Angaben aus dem Fragebogen wirken auf denselben Nährstoff.
- Blutwerte: Wo vorhanden, haben sie Vorrang.
- Mehrere Bereiche je Nährstoff: Meist beeinflussen mehrere Teile der Analyse einen Nährstoff; es zählt der höchste Bedarf.
- Fenster und Obergrenze: Zum Schluss wird der berechnete Bedarf in das Dosierungsfenster eingepasst.
Leitplanken: das Dosierungsfenster
Personalisierung heißt nicht „so viel wie möglich“. EU-weite Mindest- und Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel sind zwar vorgesehen, wurden aber nie erlassen. Novogenia arbeitet deshalb mit eigenen, veröffentlichten Leitplanken:
- Fenster: mindestens ein Drittel, höchstens das Dreifache der Referenzmenge.
- Dokumentierte Ausnahmen: Vitamin D3 und Vitamin B12 liegen darüber; Magnesium, Zink, Calcium und Kupfer darunter, weil ihr Maximum an der EFSA-Obergrenze verankert ist.
- Sicherheitsobergrenze: Für jeden Nährstoff mit einer tolerierbaren Höchstzufuhrmenge der EFSA liegt das Maximum auf oder unter diesem Wert; nationale Höchstmengen gelten ebenfalls.
- Kappungsregel: Ein Bedarf unter dem Minimum wird auf das Minimum gesetzt, einer über dem Maximum auf das Maximum. Werte außerhalb des Fensters entstehen nie.
| Beispiel | Minimum pro Tag | Maximum pro Tag | Regel |
|---|---|---|---|
| Folsäure | 66,7 µg | 600 µg | ein Drittel und das Dreifache der Referenzmenge |
| Vitamin D3 | 10 µg | 100 µg | Ausnahme über dem Fenster; Maximum entspricht der EFSA-Obergrenze |
| Zink | 3,3 mg | 25 mg | Maximum an der EFSA-Obergrenze verankert |
Alle Grenzwerte je Nährstoff findest du unter Dosierungsgrenzen für Mikronährstoffe.
Warum „Gen X = Dosis Y“ falsch ist
Klienten fragen oft: „Welches Gen ist schuld an meiner hohen Vitamin-D-Dosis?“ Die ehrliche Antwort: keines allein. Jede Dosis entsteht aus rund 50 Genen plus Alter, Geschlecht, Körpergewicht, Ernährung, Lebensstil und, soweit vorhanden, Blutwerten. Eine Aussage der Form „Gen X ergibt Nährstoff Y in Dosis Z“ wäre falsch.
Zwei weitere Punkte helfen im Gespräch:
- Gleiche Dosis, anderer Grund: Haben zwei Menschen einen Bedarf über dem Maximum, bekommen beide das Maximum – aus ganz unterschiedlichen Gründen.
- Weniger ist gewollt: Deuten Gene oder Blutwerte auf einen geringeren Bedarf, ist eine niedrigere Dosis das richtige Ergebnis, keine Unterdosierung.
Ein Beispiel: eine Dosis am Maximum erklären
Ein frei erfundenes, typisches Beispiel: Ein Klient, 38, arbeitet viel im Büro, ist selten in der Sonne und wundert sich, warum Vitamin D3 in seiner Rezeptur am Maximum liegt. So kannst du es erklären:
- Mehrere Regler zeigen nach oben: „Dein Fragebogen sagt: wenig Sonne. Und einige deiner Gene für den Vitamin-D-Haushalt sind beeinträchtigt. Zusammen ergibt das einen hohen berechneten Bedarf.“
- Die Leitplanke greift: „Mehr als das Maximum gibt es nie. Bei Vitamin D3 entspricht es der Obergrenze der EFSA.“
- Blutwert als Kontrolle: „Wenn deine Ärztin oder dein Arzt deinen Vitamin-D-Spiegel misst, hat dieser Wert Vorrang – dann rechnet die Rezeptur damit.“
So versteht dein Klient, dass seine Dosis kein Zufall und kein Einzelgen-Effekt ist, sondern das Ergebnis vieler Daten innerhalb fester Grenzen.
Wissenschaftlich begründet – Baustein für Baustein
Jeder Baustein der Berechnung steht auf wissenschaftlichem Fundament: die etablierten Referenzwerte, die Fachliteratur zu jeder Genvariante – jedes Gen ist durch mindestens drei unabhängige Studien gestützt – und die Sicherheitsbewertungen der EFSA.
Dass persönliche Empfehlungen Menschen bewegen, zeigt die Food4Me-Studie: Personalisierte Beratung verbesserte die Ernährung stärker als allgemeine Empfehlungen (Celis-Morales et al., International Journal of Epidemiology, 2017). Für das fertige, vollständig personalisierte Kombinationsprodukt gibt es noch keine großen randomisierten Studien, die einen Vorteil im Ergebnis gegenüber standardisierter Nahrungsergänzung belegen – das gilt für die personalisierte Nutrigenetik insgesamt. Beschreibe genbasierte Anpassungen deshalb als das, was sie sind: logische Schlussfolgerungen, nicht wissenschaftlich bewiesen.
Deine Rolle in der Beratung
- Alles erfassen, was schon eingenommen wird: Weitere Nahrungsergänzungsmittel kommen zur Rezeptur dazu.
- Medizinisches abgrenzen: Bei Erkrankungen, Medikamenten, Schwangerschaft und Stillzeit gehört die Frage in ärztliche Hände.
- Blutwerte nutzen: Liegen aktuelle Werte von der Ärztin oder vom Arzt vor, verbessern sie die Datenbasis.
- Den Fragebogen aktuell halten: Ändern sich Ernährung, Training oder Gewicht, sollte die Rezeptur das wissen.
- Änderungen erklären: Die Rezeptur verändert sich mit dem Alter, mit neuen Daten und mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
- Sauber werben: keine Heilversprechen, nur zugelassene gesundheitsbezogene Angaben; mehr in Health Claims: Was du bewerben darfst.
Vom Bericht zur Tagesportion
Jeder Nährstoff steckt in eigenen Mikrotransportern – kleinen Pellets, die für jede Person nach ihrer Rezeptur zusammengestellt und in Tagesbeutel abgefüllt werden. Eine Lieferung reicht 90 Tage; danach wird nachbestellt, und die Rezeptur wird neu berechnet. Wie das im Detail funktioniert, beschreibt Wie eine personalisierte Rezeptur berechnet wird.
Du willst personalisierte Nahrungsergänzung unter deiner eigenen Marke anbieten oder ein eigenes Produkt entwickeln? Den Weg von der Idee bis zur Produktion zeigt Personalisierte Nahrungsergänzung herstellen im Ratgeber Lohnherstellung; die Partnermodelle findest du in Nutrigenetik als Leistung.
Häufige Fragen
Welches Gen bestimmt die Dosis eines Vitamins?
Was passiert, wenn Blutwerte vorliegen?
Kann eine personalisierte Rezeptur zu hoch dosiert sein?
Ist personalisierte Nahrungsergänzung besser als ein Standardpräparat?
Warum ändert sich die Rezeptur mit der Zeit?
Passend dazu: Wie eine personalisierte Rezeptur berechnet wird · Dosierungsgrenzen für Mikronährstoffe · Personalisierte Nahrungsergänzung herstellen
Nutrigenetik in deiner Beratung anbieten?
Erzähl uns von deiner Praxis und deinen Klienten – wir zeigen dir, welches Partnermodell zu dir passt.
Partner werden →Angebot für ErnährungsberaterHinweis: Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information für Fachleute und ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung. Die in einer Genanalyse bestimmten genetischen Eigenschaften sind wissenschaftlich gut belegt (jedes berücksichtigte Gen durch mindestens drei unabhängige Studien); daraus abgeleitete Empfehlungen zu Ernährung, Mikronährstoffen und Lebensstil sind logische Schlussfolgerungen und nicht wissenschaftlich bewiesen. Rechtliche Vorgaben können sich ändern; Irrtümer und Änderungen vorbehalten.
