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Marketing für personalisierte Produkte: die Methode bewerben, nicht das Wunder

Fachlich geprüft von Dr. Daniel Wallerstorfer, Molekularbiologe und Gründer von Novogenia · Stand: 15. Oktober 2026 · Lesezeit: 10 Min.

Kurz gesagt

Bei personalisierten Produkten steht das Ergebnis vor der Analyse noch nicht fest – bewirb deshalb die Methode: welche Daten einfließen und wie die Rezeptur berechnet wird. Gesundheitsbezogene Angaben für Nahrungsergänzung sind nur erlaubt, wenn sie zugelassen sind (Art. 10 Abs. 1 Verordnung (EG) Nr. 1924/2006), am sichersten im amtlichen Wortlaut und nur für Nährstoffe, die die jeweilige Rezeptur tatsächlich enthält. Krankheitsbezüge sind tabu, gesetzliche Selbstverständlichkeiten sind kein Verkaufsargument. Genanalysen beschreibst du, statt Ergebnisse zu versprechen; in der Schweiz braucht Werbung dafür Pflichtangaben (Art. 14 GUMG). Wer an Bestellungen mitverdient, kennzeichnet Werbung.

Der Optiker wirbt mit der Messung, nicht mit dem Glas

Kein Optiker verspricht dir im Schaufenster ein bestimmtes Brillenglas. Er weiß ja noch nicht, was deine Augen brauchen. Er wirbt mit dem, was er sicher liefern kann: einer genauen Messung und einem Glas, das danach für dich gefertigt wird.

Personalisierte Produkte funktionieren genauso. Vor der Analyse steht nicht fest, was in der Rezeptur deiner Kundin landen wird. Ein Werbeversprechen über das Ergebnis wäre deshalb geraten – und oft unzulässig. Was du sicher sagen kannst, ist die Methode: welche Daten einfließen, wie gerechnet wird und was am Ende ankommt. Das ist ehrlich, rechtlich solide und überzeugend, weil es erklärt, warum das Produkt zu genau dieser Person passt.

Jede Produktseite ist Werbung

Im Online-Handel ist die Produktseite dein Verkaufsgespräch. Produkttitel, Bilder und Beschreibungen sind Werbung – es gelten dieselben Regeln wie auf der Verpackung, im Shop genauso wie auf einem Marktplatz.

Für Lebensmittel kommt eine Pflicht dazu: Beim Fernabsatz müssen die verpflichtenden Informationen – außer dem Mindesthaltbarkeitsdatum – schon vor dem Abschluss des Kaufvertrags verfügbar sein, alle Pflichtangaben spätestens bei der Lieferung (Art. 14 Abs. 1 Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, LMIV). Verantwortlich für die Information ist der Lebensmittelunternehmer, unter dessen Namen das Lebensmittel vermarktet wird (Art. 8 Abs. 1 LMIV) – bei White Label also deine Marke. Bei personalisierten Produkten entsteht die Rezeptur erst nach der Analyse. Kläre deshalb mit Novogenia, wie die Pflichtangaben zur jeweiligen Rezeptur vor dem Kauf bereitstehen. Mehr in Kennzeichnung: Pflichtangaben auf dem Etikett.

Beschreiben statt diagnostizieren

Die Methode ist dein stärkstes Argument – und du kannst sie konkret erklären. Bei Novogenia berücksichtigt die Rezeptur rund 50 Gene, einen Fragebogen und, wenn vorhanden, Blutwerte, die Vorrang haben. Die Dosierung liegt zwischen etwa einem Drittel und, wenn die Daten es begründen, dem Dreifachen der Referenzmenge – nie über der tolerierbaren Höchstmenge der EFSA (UL). Die Nährstoffe stecken in Mikrotransporter-Pellets ab 1,6 mm Durchmesser, in denen jeder Nährstoff einzeln verkapselt ist. Beschreibe diese Technik sachlich und ohne Versprechen zu einer Wirkung im Körper. Hintergrund liefern Wie eine personalisierte Rezeptur berechnet wird und Dosierungsgrenzen für Mikronährstoffe.

Lieber nichtSo geht’sWarum
„Deine Gene verraten deinen Nährstoffmangel – deine Rezeptur behebt ihn.“„Deine Rezeptur wird auf Basis deiner Blutwerte und deines Fragebogens berechnet.“ (plus Gene, wenn analysiert)Beschreibung statt Diagnose und Heilversprechen
„Der Gentest zeigt, welche Krankheiten dir drohen.“„Die Analyse zeigt, wie dein Körper zum Beispiel Koffein, Vitamine und Fette verarbeitet.“Lifestyle-Analysen erkennen keine Krankheiten.
„Endlich die eine richtige Diät für dich.“„Empfehlungen, die zu deinen Genen passen – als logische Schlussfolgerung, nicht als Garantie.“Gene sind ein Faktor unter vielen.
„Exklusiv nur bei uns.“ (bei White Label)„Unter unserer Marke, hergestellt in Österreich.“ (wenn so vereinbart)White Label ist nicht exklusiv – andere Marken können ein vergleichbares Produkt anbieten.

Für den Bericht gilt dasselbe: Er ist ein Ergebnis, keine Diagnose. Übernimm den Standard-Hinweis, dass die genetischen Eigenschaften gut belegt und die Empfehlungen daraus logische Schlussfolgerungen sind – nicht wissenschaftlich bewiesen. Wie du deine Marke zwischen White Label und Eigenrezeptur positionierst, zeigt Eigene Online-Marke aufbauen.

Gesundheitsbezogene Angaben: nur aus der Liste

Für Nahrungsergänzung gilt eine Positivliste: Gesundheitsbezogene Angaben sind verboten, sofern sie nicht zugelassen und in die Liste der zugelassenen Angaben aufgenommen sind (Art. 10 Abs. 1 Verordnung (EG) Nr. 1924/2006). Am sichersten ist der amtliche Wortlaut der Verordnung (EU) Nr. 432/2012, zum Beispiel:

Beide Angaben dürfen nur für Lebensmittel verwendet werden, die mindestens eine Quelle des jeweiligen Vitamins sind. Bei personalisierten Produkten ist jede Rezeptur anders. Eine Nährstoff-Angabe passt deshalb nur zu einer Rezeptur, die diese Bedingung erfüllt; auf der allgemeinen Produktseite beschreibst du besser die Methode. Tabu sind immer Krankheitsbezüge: Informationen über ein Lebensmittel dürfen ihm keine Eigenschaften der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer menschlichen Krankheit zuschreiben – ausdrücklich auch in der Werbung (Art. 7 Abs. 3 und 4 LMIV). Ebenso unzulässig sind Angaben über Dauer und Ausmaß einer Gewichtsabnahme und Verweise auf Empfehlungen einzelner Ärzte (Art. 12 Buchst. b und c Verordnung (EG) Nr. 1924/2006).

Bei Kosmetik darf Werbung keine Merkmale oder Funktionen vortäuschen, die das Produkt nicht besitzt (Art. 20 Abs. 1 Verordnung (EG) Nr. 1223/2009). Bei BeautyMe kannst du sachlich sagen, was dahintersteckt: Tagesserum, Nachtserum und Körperlotion, bei denen das Gen-Ergebnis Auswahl und Dosierung der Wirkstoffe bestimmt. Mehr in Werbung mit Kosmetik.

Schweiz: Gesundheitsbezogene Angaben sind nur erlaubt, wenn sie in Anhang 14 der LIV vorgesehen sind; andere brauchen eine Bewilligung des BLV (Art. 31 Abs. 2 und 3 LIV). Hinweise auf die Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer Krankheit sind verboten (Art. 12 Abs. 2 Bst. c LGV).

Selbstverständliches ist kein Verkaufsargument

Im Online-Handel liegt die Versuchung nahe, mit Dingen zu werben, die ohnehin gelten. Das ist irreführend:

Was dein Produkt wirklich unterscheidet, ist die Personalisierung. Erzähl davon – das reicht.

Genanalysen bewerben: Lifestyle, nicht Medizin

Für die Analyse selbst gilt die Faustregel: Beschreibe, was die Analyse zeigt – versprich keine Ergebnisse. Im Handel geht es ausschließlich um nicht-medizinische Analysen; medizinische genetische Analysen gehören dort, wo das Recht es verlangt, in ärztliche Hände. Werbung mit der Angst vor Krankheiten passt deshalb nicht zu einer Lifestyle-Analyse.

Welche Analysen du wo anbieten darfst, erklärt Gentests online verkaufen: DE, AT, CH; mehr Formulierungen zeigt Werbung mit Gentests.

Influencer und Partner: Werbung bleibt Werbung

Influencer sind für Novogenia ein eigener Partnertyp. Sie haben zwei Wege: einen eigenen gebrandeten Partner-Shop mit Provision pro Bestellung nach den Partnerbedingungen, oder eine eigene Marke über White Label. In beiden Fällen gilt: Wer an Bestellungen mitverdient, macht Werbung – und muss sie als solche kenntlich machen. In Deutschland wird eine Gegenleistung sogar vermutet (§ 5a Abs. 4 UWG); Österreich regelt die Kennzeichnung in § 2 Abs. 4 Z 2 UWG, die Schweiz verbietet jedes täuschende Verhalten im Geschäftsverkehr (Art. 2 UWG).

Als Marke trägst du Verantwortung für das, was in deinem Namen gesagt wird. Gib allen, die für dein Produkt werben – Team, Agentur, Influencer –, eine Liste der Formulierungen, die sie verwenden dürfen, und lass Beiträge vor der Veröffentlichung freigeben, inklusive Bilder, Grafiken und Symbole. Was in Posts, Stories und Chats erlaubt ist, erklärt ausführlich Social Media: Was Vertriebspartner sagen dürfen.

Bewertungen und Fallbeispiele: ein Schaufenster, das stimmen muss

Checkliste vor dem Livegang

Häufige Fragen

Darf ich schreiben, dass die persönliche Rezeptur einen Nährstoffmangel ausgleicht?
Lieber nicht. Ein Satz wie „Deine Gene verraten deinen Nährstoffmangel – deine Rezeptur behebt ihn“ klingt nach Diagnose und Heilung. Besser ist die sachliche Beschreibung der Methode: „Deine Rezeptur wird auf Basis deiner Blutwerte und deines Fragebogens berechnet“ – ergänzt um die Gene, wenn eine Genanalyse vorliegt.
Welche Health Claims darf ich für personalisierte Nahrungsergänzung verwenden?
Nur zugelassene Angaben aus der Liste der Verordnung (EU) Nr. 432/2012, am sichersten im amtlichen Wortlaut, und nur, wenn die Verwendungsbedingungen erfüllt sind – etwa, dass das Produkt mindestens eine Quelle des Nährstoffs ist. Weil jede Rezeptur anders ist, gehört eine Nährstoff-Angabe zur jeweiligen Rezeptur, nicht pauschal auf die allgemeine Produktseite.
Muss eine Influencerin Werbung für meinen Shop kennzeichnen?
Ja, wenn sie dafür eine Gegenleistung erhält – etwa eine Provision. In Deutschland wird eine Gegenleistung sogar vermutet (§ 5a Abs. 4 UWG), in Österreich gilt § 2 Abs. 4 Z 2 UWG. Am sichersten ist ein klarer Hinweis wie „Werbung“ gleich am Anfang des Beitrags. Mehr dazu im Beitrag „Social Media: Was Vertriebspartner sagen dürfen“.
Darf ich mit „14 Tage Rückgaberecht“ oder „EU-geprüfter Qualität“ werben?
Nicht als Besonderheit deines Angebots, wenn es ohnehin gesetzlich gilt. Den Verbrauchern gesetzlich zugestandene Rechte als Besonderheit zu präsentieren, ist stets unzulässig, ebenso gesetzliche Anforderungen an alle Produkte einer Kategorie (Anhang I Nr. 10 und 10a Richtlinie 2005/29/EG). Für personalisierte Produkte gibt es zudem gar kein Widerrufsrecht.
Was gilt für Werbung für Genanalysen in der Schweiz?
Publikumswerbung für genetische Untersuchungen im medizinischen Bereich ist verboten (Art. 14 Abs. 1 GUMG). Werbung für Analysen außerhalb der Medizin muss über die Vorgaben zur Veranlassung, zur Aufklärung und zur Mitteilung des Resultats informieren und darf nicht irreführen (Art. 14 Abs. 3 GUMG, Art. 4 GUMV) – ausdrücklich auch in elektronischen Medien.

Passend dazu: Social Media: Was Vertriebspartner sagen dürfen · Werbung mit Gentests · Health Claims: Was du bewerben darfst

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