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Personalisierte Mikronährstoffe: von der Genanalyse zum Tagesbeutel

Fachlich geprüft von Dr. Daniel Wallerstorfer, Molekularbiologe und Gründer von Novogenia · Stand: 13. Oktober 2026 · Lesezeit: 8 Min.

Kurz gesagt

Personalisierte Mikronährstoffe verbinden mehrere Datenquellen: rund 50 Gene mit je drei möglichen Genotypen, Körperdaten, einen Fragebogen zu Ernährung und Lebensstil und – wenn vorhanden – Blutwerte. Blutwerte haben Vorrang, weil sie den aktuellen Stand zeigen. Jede Dosis bleibt in einem Fenster zwischen einem Drittel und dem Dreifachen der Referenzmenge, höchstens bis zur tolerierbaren Höchstzufuhrmenge der EFSA. Die Nährstoffe stecken in Mikrotransportern, abgefüllt in Tagesbeutel; eine Lieferung reicht 90 Tage, danach wird die Rezeptur neu berechnet. Beworben wird nur mit zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben im offiziellen Wortlaut.

Warum Blutwerte verschieden sind: Gene stellen die Weichen

Warum haben Menschen unterschiedliche Vitamin-B12-Werte im Blut? Die Ernährung ist ein Teil der Antwort, die Gene sind ein anderer. Eine Genomstudie aus der Nurses’ Health Study fand bei 1.658 Frauen – und bestätigt in einer unabhängigen Gruppe von 1.059 Frauen – einen engen Zusammenhang zwischen einer Variante im FUT2-Gen und dem B12-Spiegel im Plasma. Frauen mit zwei Kopien der Variante rs492602[G] hatten höhere B12-Werte. Die Forschenden sehen darin einen plausiblen Mechanismus: Das Gen kann beeinflussen, wie gut B12 aufgenommen wird (Hazra et al., Nature Genetics, 2008).

Beim Vitamin D zeigt sich dasselbe Bild. In einer Genomstudie mit 33.996 Menschen europäischer Herkunft beeinflussten Varianten in oder nahe den Genen GC, DHCR7 und CYP2R1 den Vitamin-D-Spiegel. Wer beim kombinierten Gen-Score im obersten Viertel lag, hatte gegenüber dem untersten Viertel ein deutlich erhöhtes Risiko für Werte unter 75 nmol/l (Odds Ratio 2,47; Wang et al., Lancet, 2010).

Das zeigt eindrucksvoll: Gene verschieben den Nährstoffstatus messbar. Daraus lässt sich ableiten: Wer seine Gene kennt, kann seine Versorgung gezielter planen. Genau das leistet personalisierte Nahrungsergänzung – und deine Apotheke ist der Ort, an dem sie erklärt wird.

Vier Datenquellen – und wer das letzte Wort hat

Eine personalisierte Rezeptur entsteht bei Novogenia nie aus einem einzelnen Gen. Sie verbindet vier Datenquellen:

DatenquelleWas sie zeigtWas du wissen solltest
Genedie Veranlagung: wie der Körper bestimmte Nährstoffe verarbeitetrund 50 Gene mit je drei möglichen Genotypen; sie ändern sich im Leben nicht
KörperdatenGeschlecht, Alter, KörpergewichtDas Alter wird für jede Produktion neu berechnet.
FragebogenErnährung und Lebensstil, etwa Obst und Gemüse, Milchprodukte, vegane oder vegetarische Ernährung, Rauchen, Alkohol, Sonne und Trainingeinfach zu erheben und jederzeit zu aktualisieren
Blutwerteden aktuellen VersorgungsstandWenn vorhanden, haben sie Vorrang vor allen anderen Daten.

Gene beschreiben das Klima, Blutwerte das Wetter von heute. Das Klima sagt dir, womit du auf Dauer rechnen musst; das Wetter, was du heute anziehst. Deshalb haben Blutwerte das letzte Wort, sobald sie vorliegen.

Jedes Gen, das wir berücksichtigen, ist durch mindestens drei unabhängige Studien belegt. Meist beeinflussen mehrere Bereiche der Analyse denselben Nährstoff; dann zählt der höchste berechnete Bedarf. Eine Aussage wie „Gen X ergibt Dosis Y“ greift deshalb zu kurz – jede Dosis ist das Ergebnis vieler Daten. Die genbasierten Anpassungen sind logische Schlussfolgerungen, keine wissenschaftlich bewiesenen Ergebnisse.

Leitplanken: das Dosierungsfenster

Personalisierung heißt nicht „so viel wie möglich“. Novogenia arbeitet mit eigenen, veröffentlichten Leitplanken, aufgebaut auf den EU-Referenzmengen und den Sicherheitsbewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA):

Für die Beratung heißt das: Eine Dosis am Maximum bedeutet, dass mehrere Faktoren nach oben zeigen und die Leitplanke greift. Eine niedrige Dosis ist keine Unterdosierung, sondern gewollt, wenn Gene oder Blutwerte auf einen geringeren Bedarf deuten. Alle Grenzwerte je Nährstoff findest du unter Dosierungsgrenzen für Mikronährstoffe.

Vom Rezept zum Tagesbeutel

Jeder Nährstoff steckt in eigenen Mikrotransportern – kleinen Pellets ab 1,6 mm. Für jede Person werden sie nach ihrer Rezeptur zusammengestellt und in Tagesbeutel abgefüllt, auf denen ihr Name stehen kann. Die Tagesbeutel kommen in einem handlichen Spender; eine Lieferung reicht 90 Tage.

Wie das unter deiner eigenen Marke funktioniert, zeigt Eigenmarke: Nahrungsergänzung und Kosmetik. Die technischen Details beschreibt der Ratgeber Lohnherstellung in Personalisierte Nahrungsergänzung herstellen.

Alle 90 Tage neu berechnet

Eine personalisierte Rezeptur ist kein Standbild. Bei jeder neuen Produktion wird sie neu berechnet: das Alter aus dem Geburtsdatum, dazu gegebenenfalls ein aktualisierter Fragebogen oder neue Blutwerte. Außerdem wird die Rezeptur regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. So wächst sie mit deiner Kundin mit.

Für deine Apotheke ist der 90-Tage-Rhythmus ein natürlicher Anlass für ein kurzes Gespräch: Hat sich an Ernährung, Training oder Gewicht etwas geändert? Gibt es neue Blutwerte? Wie Nachbestellung und Abo funktionieren, erklärt Nachbestellung und Abo: Kunden binden.

Für wen personalisierte Mikronährstoffe passen

Am Beratungstisch erkennst du schnell, für wen eine personalisierte Mischung interessant sein kann. Typische Anknüpfungspunkte sind:

Bremse, wenn jemand eine Behandlung erwartet, akute Beschwerden hat oder schwanger ist: Dann führt der erste Weg zur Ärztin oder zum Arzt. Personalisierte Nahrungsergänzung ergänzt eine ausgewogene Ernährung – sie ersetzt weder eine Therapie noch ärztlichen Rat.

Richtig erklären: zugelassene Angaben statt Versprechen

Personalisierte Nahrungsergänzung ist ein Lebensmittel, kein Arzneimittel. Gesundheitsbezogene Angaben sind in der EU verboten, sofern sie nicht zugelassen und in die Liste der zugelassenen Angaben aufgenommen sind (Art. 10 Abs. 1 Verordnung (EG) Nr. 1924/2006); diese Liste steht in der Verordnung (EU) Nr. 432/2012. Verwende den offiziellen Wortlaut, zum Beispiel:

NährstoffZugelassene Angabe (offizieller Wortlaut)
Vitamin DVitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.
Vitamin DVitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.
FolatFolat trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.
MagnesiumMagnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.

Jede Angabe hat Bedingungen: Sie darf zum Beispiel nur für Lebensmittel verwendet werden, die mindestens eine Quelle des jeweiligen Nährstoffs sind. Tabu sind Aussagen, dass die Mischung einer Krankheit vorbeugt, sie behandelt oder heilt (Art. 7 Abs. 3 Verordnung (EU) Nr. 1169/2011). Auch „Dein Gen beweist, dass du mehr Vitamin D brauchst“ geht zu weit – die genbasierte Dosis ist eine logische Schlussfolgerung.

In der Schweiz gilt nicht die EU-Verordnung, sondern die Verordnung des EDI betreffend die Information über Lebensmittel (LIV): Gesundheitsbezogene Angaben sind nur erlaubt, wenn sie in Anhang 14 vorgesehen sind (Art. 31 Abs. 2 LIV); andere brauchen eine Bewilligung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (Art. 31 Abs. 3). Die vier Beispiele oben stehen dort im selben Wortlaut. Mehr zum Werben in Werbung für Gesundheitsleistungen und im Ratgeber Lohnherstellung unter Health Claims: Was du bewerben darfst.

Deine Rolle am Beratungstisch

Hier spielt deine Apotheke ihre größte Stärke aus: das pharmazeutische Fachwissen.

Wie die Rezeptur Schritt für Schritt berechnet wird, beschreibt Wie eine personalisierte Rezeptur berechnet wird. Vertiefende Beispiele für das Beratungsgespräch findest du im Ratgeber Nutrigenetik unter Vom Genprofil zur personalisierten Nahrungsergänzung.

Häufige Fragen

Welche Daten fließen in die Rezeptur ein?
Rund 50 Gene mit je drei möglichen Genotypen, dazu Geschlecht, Alter und Körpergewicht, ein Fragebogen zu Ernährung und Lebensstil und, wenn vorhanden, Blutwerte. Kein Nährstoff wird aus einem einzelnen Gen abgeleitet; jede Dosis ergibt sich aus dem Zusammenspiel aller Daten.
Was passiert, wenn Blutwerte vorliegen?
Sie haben für den betreffenden Nährstoff Vorrang vor allen anderen Daten. Gene zeigen die Veranlagung, Blutwerte den aktuellen Stand – deshalb haben sie das letzte Wort.
Kann eine personalisierte Rezeptur zu hoch dosiert sein?
Innerhalb der Rezeptur nicht: Jede Dosis bleibt in einem festen Fenster, und das Maximum liegt auf oder unter der tolerierbaren Höchstzufuhrmenge der EFSA. Frag deine Kundinnen und Kunden aber immer nach weiteren Nahrungsergänzungsmitteln – deren Mengen kommen dazu.
Wie lange reicht eine Lieferung?
Eine Lieferung reicht 90 Tage. Danach wird nachbestellt, und die Rezeptur wird neu berechnet – mit dem aktuellen Alter und, falls vorhanden, einem aktualisierten Fragebogen oder neuen Blutwerten.
Darf ich sagen, dass die Mischung Krankheiten vorbeugt?
Nein. Lebensmitteln dürfen keine Eigenschaften der Vorbeugung, Behandlung oder Heilung einer Krankheit zugeschrieben werden (Art. 7 Abs. 3 Verordnung (EU) Nr. 1169/2011). Erlaubt sind zugelassene gesundheitsbezogene Angaben im offiziellen Wortlaut, etwa „Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei“.

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